HörPunkt - der Tag: «Fremdheimisch. Mit Schweizer AutorInnen in ihrem Herkunftsland»

Es gibt auffallend viele bedeutsame, deutsch-schreibende Schriftsteller und Schriftstellerinnen mit Migrationshintergrund, die in der Schweiz leben und schreiben. SRF 2 Kultur begleitet zwei Autorinnen und einen Autor in ihre alte Heimat.

Markus Gasser reist mit Kathy Zarnegin in den Iran, Michael Luisier begleitet Irena Brezna in die Slowakei, Felix Schneider besucht mit Catalin Florescu Rumänien.

Die Autorinnen und der Autor zeigen, wo sie aufgewachsen sind, führen an Orte, die ihnen wichtig sind. Erzählen, woran sie sich erinnern, was sie geprägt und inspiriert hat und warum sie ihr Heimatland verlassen haben. Sie sprechen über das Leben hier und dort, über ihre Wurzeln, ihr Verhältnis zur Schweiz und wie sich ihre Heimat in ihrem Werk spiegelt.

Beiträge

  • «Kathy Zarnegin: Ich hatte immer Angst, etwas falsch zu machen»

    Aufgewachsen ist Kathy Zarnegin in Teheran. Mit 14 Jahren wanderte sie alleine und für immer in die Schweiz aus, zu ihrem Onkel nach Basel. Ihrem eigenen Wunsch folgend verliess sie die Familie, exakt in jenen Tagen im Februar 1979, als Ayatollah Chomeini die Islamische Republik Iran installierte.

    Fast 40 Jahre später besucht Literaturredaktor Markus Gasser mit Kathy Zarnegin die Orte ihrer Kindheit. Den grossen Bazar, wo die überwältigenden Sinneseindrücke eine Ur-Vertrautheit in ihr wecken. Ihren letzten Wohnort, wo sie lange suchen muss, bis sie das richtige Haus findet.

    Eloquent, präzise und berührend erzählt Kathy Zarnegin von der iranischen Kultur, die tief in ihrem Wesen verankert ist - in der sie aber nie mehr dauerhaft leben möchte. «Seit der Revolution ist noch mehr Angst vorhanden, als zur Zeit meiner Kindheit», sagt sie.

    Markus Gasser

  • «Kathy Zarnegin: In der Schweiz war ich glücklich und traurig»

    Als Vierzehnjährige ist die 1964 in Teheran geborene Kathy Zarnegin allein und für immer aus dem Iran weggezogen, zu einem Onkel nach Basel. Die ausgebildete Psychoanalytikerin und Lyrikerin hat 2017 ihren ersten Roman «Chaya» herausgegeben. Er ist stark autobiografisch geprägt.

    Mit dem SRF Literatur-Redaktor Markus Gasser geht Kathy Zarnegin auf Spurensuche in ihrer alten Heimat. Erzählt über die iranische Kultur, ihre Familie und über ihre Motivation auszuwandern. «Ich wollte frei sein», sagt Zarnegin heute. «Und ich wusste, dass ich nie zurückgehen werde. Aber irgendwann war ich dann doch traurig. Habe in der Schweiz meine Eltern und meine Schwester sehr vermisst.»

    Markus Gasser

  • «Catalin Dorian Florescu: Ein wichtiger Teil von mir ist rumän...

    Rumänien steckt voller Geschichten und voller Geschichte. Das begeistert den schweizerisch-rumänischen Schriftsteller Catalin Dorian Florescu. In seiner Phantasie tritt Ceausescu neben den Blutsauger Dracula und das Donaudelta neben New York.

    Schriftsteller zu sein, sei ein wenig, wie verliebt zu sein, sagt der 1967 in Timisoara geborene Florescu, der heute in Zürich lebt. Man sehe in die Menschen hinein, man erspüre das Wesen der Dinge. Wo wir im tosenden Verkehr Bukarests nur einen Baum sehen, sieht er die Kirche, die an dieser Stelle stand und von Diktator Ceausescu zerstört wurde. Solche und andere Geschichten hat Literatur-Redaktor Felix Schneider von seiner Reise aus Rumänien mitgebracht.

    Felix Schneider

  • «Catalin Dorian Florescu: Rumänien nährt meine Kreativität»

    Zu seinen beiden Fremdheimaten, zur Schweiz und zu Rumänien hat Catalin Dorian Florescu ein intensives Verhältnis entwickelt.

    Doch es ist vor allem seine erste Heimat, die ihn für seine schriftstellerische Arbeit inspiriert, die Menschen und Orte, deren Geschichten er in seinen Romanen verdichtet.

    Auf seiner Recherche-Reise für einen nächsten Roman zeigt Florescu sein Bukarest. Er zeigt die Narben, die ein unerbittliches kommunistisches Regime hinterlassen hat. Dann reist er ins malerische Donau-Delta. Dort spielt ein grosser Teil seines Romans «Der Mann, der das Glück bringt». Mit Catalin Dorian Florescu reisen, heisst geistige Abenteuer erleben, berichtet Literatur-Redaktor Felix Schneider, der den Schriftsteller in seine erste Heimat begleitet hat.

    Felix Schneider

  • «Irena Brežna: Alles was hinter dem Vorhang war, war «draussen»

    1968 sei der Wendepunkt ihres Lebens. Das sagt Irena Brežna, wenn man sie nach ihrer Geschichte fragt. Sie meint damit nicht nur den Prager Frühling und den Einmarsch der Russen in die CSSR, der zur Flucht und einem Leben in der Schweiz geführt hat, sondern auch ihre persönliche Geschichte.

    1968 wird Irena Brezna 18 Jahre alt, ist eine junge Frau mit Hoffnungen, Wünschen und Plänen, die zu verwirklichen am neuen Ort nun um einiges schwieriger erscheint als noch zuvor. «Das grösste Unglück war, dass ich keine Sprache hatte zum Schreiben», sagt sie im Rückblick.

    Auf der Reise mit Literatur-Redaktor Michael Luisier zurück an die Orte ihrer Kindheit und Jugend im slowakischen Trencín und Bratislava erzählt die Schriftstellerin von ihrem langen Weg nach Basel und von ihrer Zeit vor der grossen Zäsur.

    Michael Luisier

  • «Irena Brežna: Das «Dazwischen» ist die Welt, die mir gefällt»

    Was bedeutet es, wenn man ein Land verlässt und in ein anderes kommt? Was bedeutet es, wenn man als Schriftstellerin zuerst mal eine andere Sprache lernen muss? Und was bedeutet es, wenn man in der neuen Heimat dazugehören möchte, aber den Weg nicht findet? Irena Brežna weiss, was es heisst.

    Die Journalistin und Schriftstellerin ist 1950 in Bratislava zur Welt gekommen und 1968 mit ihren Eltern zusammen in die Schweiz geflüchtet. Seither lebt Brežna in Basel. SRF-Literatur-Redaktor Michael Luisier ist mit der Schriftstellerin in ihre erste Heimat gereist. Nach Trencín und hat dort mit ihr über das «Dazwischen sein» und auch über Basel gesprochen.

    Michael Luisier

Moderation: Beatrice Kern, Redaktion: Markus Gasser, Michael Luisier, Felix Schneider