1/3: «Eugénie Grandet» von Honoré de Balzac

Unter der Fuchtel ihres krankhaft geizigen Vaters fristet die junge Eugénie ein freudloses Dasein in der französischen Provinz. Doch als ihr Cousin Charles unerwartet aus Paris zu Besuch kommt, beginnt sie sich den kleinlichen väterlichen Vorschriften zu widersetzen.

Eugénie geniesst die Anwesenheit des Cousins, auch wenn Grandet wegen der neuen Verschwendungssucht, die seiner Meinung nach in den Haushalt Einzug gehalten hat, regelmässig in Zorn gerät. Durch einen Brief erfährt Grandet schliesslich vom Bankrott und Selbstmord seines Bruders, des Vaters von Charles. Weniger entsetzt über den Tod des Bruders als über dessen finanziellen Ruin, will Grandet den Neffen so schnell wie möglich wieder loswerden. Ohne einen Sous soll er nach Indien geschickt werden. Doch Grandet hat die Rechnung ohne seine Tochter gemacht. Eugénie und Charles haben sich ineinander verliebt, und bevor er nach Indien aufbricht, gibt sie ihm ihre gesamten Ersparnisse. Als Grandet davon erfährt, ist er ausser sich.

«Molière schuf den Geizhals, ich aber schuf den Geiz» – befand Honoré de Balzac über seinen 1834 erschienenen Roman «Eugénie Grandet». Der Geiz wird bei ihm zum Symptom einer materiell verblendeten Gesellschaft, in der sich die junge Eugénie wie ein Fremdkörper bewegt. Balzac schreibt über ein Frankreich der Restauration, zerrissen zwischen Rückschritt und Modernisierung, Peripherie und Zentrum. Eine Welt der Verderbtheit, die alle zu überrennen scheint, die nicht dem Egoismus frönen.

Mit: Peter Mati? (Erzähler), Max von Pufendorf (Erzähler), Sabine Falkenberg (Erzählerin), Maren Kroymann (Erzählerin), Lisa Hrdina (Eugénie Grandet), Matthias Habich (Monsieur Grandet), Verena von Behr (Madame Grandet), Laurenz Laufenberg (Charles), Erika Skrotzki (Nanon), Christian Grashof (Notar), Jakob Diehl (Cruchot), Martin Seifert (Monsieur Grassins) u.a.

Aus dem Französischen von Mira Koffka - Musik: Christian Zanési - Hörspielfassung: Helmut Peschina - Tontechnik: Jean Boris Szymczak - Regie: Marguerite Gateau - Produktion: DLF Kultur 2015 - Dauer Teil 1: 59', Teil 2: 57', Teil 3: 56'

Redaktion: Katrin Zipse