«Am Seil abelo» von Adrian Meyer

Während Mike Müller im TV seinen letzten Auftritt als Bestatter hat, liefert das SRF-Hörspiel den passenden Nachruf. Der Aargauer Schauspieler und Musiker Philipp Galizia erzählt und singt in balladenhafter Form vom Leben, Wirken und Sterben eines Totengräber-Originals aus dem Freiamt.

Der Totengräber Leonzius Räber, von allen nur Lunzi gerufen, ist tot. «D'Schuuflen abgä, d'Bei gstreckt, am Seil abeglo», wie Philipp feststellt, sein Kumpel und Bewunderer. Er ist der letzte der Trauergäste am Grab, die andern sind schon beim Leichenmahl, im Säli der Beiz. Dort serviert Rösli, nebst Philipp die einzige Vertraute von Lunzi.

Philipp mag nicht unter die Leute gehen. Er setzt sich lieber an jenen Tisch, an dem Lunzi immer sass, und trinkt, im Geiste mit ihm zusammen, nochmals ein Bier. Erinnerungen werden wach, und Philipp erzählt uns Geschichten und Episoden aus dem Alltag des knorrigen Totengräbers. Er lässt uns am erdigen Handwerk teilhaben und sinniert über Vergangenes und Vergängliches. Der Tod sitzt als stummer Gast an seiner Seite.

Für diese Totengräberballade holten sich Adrian Meyer und Philipp Galizia geistige Unterstützung. Zum einen vom Freiämter Mundartdichter Josef Villiger (1910–1992): Sein virtuoser Umgang mit der Sprache, sein ausserordentliches Gespür für die Eigenarten des Freiämter Dialekts und sein kritischer Geist haben die beiden bei ihrer Arbeit immer wieder inspiriert.

Und zum andern half der Totengräber von Muri, Jakob Strebel (1918–1996), dessen Sprüche und Flüche, Witze und Geschichten in die Figur des Lunzi eingeflossen sind.

Mit: Philipp Galizia (Philipp), Hansrudolf Twerenbold (Lunzi), Heiner Hitz (Beamter), Geri Dillier (Furter), Sandra Werner (Frau Werbespot)

Musik: Michael Wernli - Tontechnik: Roland Fatzer, Ueli Karlen - Regie: Buschi Luginbühl - Produktion: SRF 2006 - Dauer: 51'

Redaktion: Reto Ott