«Chuegloggeglüt» von Ernst Burren

Ein Dorf, tief in der Nacht, mitten im Mittelland: Der Lehrer Thierstein geht auf die Weide, macht das Gatter auf und vertreibt die Kühe. Weil er es nicht mehr ausgehalten hat, das ewige Geläute. Weil es ihm den Schlaf raubt, das ewige Gezeter und Getue der Schüler und Eltern, Bauern und Politiker.

Zwei Kühe auf der Wiese mit Glocken um den Hals.
Bildlegende: Sie nerven manchmal, die Kuhglocken. Auch Lehrer Thierstein. Colourbox

«Er trug einen Trainer, war ganz bleich und schaute etwas verstört herum. Darum habe ich zu ihm gesagt: ‹Kommen Sie ein bisschen zu uns. Zum Herumstehen ist es schon zu kühl.› [] So ein eigenartiges Gefühl hatte ich selten, wenn ich einem Menschen gegenüber sass. Es war nämlich das erste Mal in den über zwanzig Jahren, seit wir nebeneinander wohnen, dass der Thierstein bei uns in der Wohnung war. Ich wusste gar nicht, was sagen. Ich habe eine Flasche Pinot Noir geöffnet. Er hat einen Schluck genommen, das Glas kaum auf den Tisch gestellt und schon wieder getrunken. Ich musste zum zweiten Mal nachschenken.»

Mit: Albert Freuler (Lehrer Thierstein), Ueli Jäggi und Hansrudolf Twerenbold

Musik: Roland von Flüe - Hörspielfassung und Regie: Geri Dillier - Produktion: SRF 1996 - Dauer: 29'

Ernst Burren, geboren 1944 in Oberdorf SO, ist ein Altmeister der Schweizer Mundartliteratur. Seine Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke und Hörspiele sind genaue Beobachtungen der Conditio humana, Beobachtungen, die über alle Kantons- und Landesgrenzen hinaus gültig sind. Burrens Texte wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gesamtwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung.

Redaktion: Wolfram Höll