«Der geteilte Blick» von Herbert Fritsch

Ein Patient erschrieb sich die Weltgeschichte und bewies so, dass er von den Angehörigen um sein Taschengeld geprellt wurde. Ein anderer erfand Schopenhauers Willensphilosophie noch einmal. Und einer hinterliess als einzige Lebensspur ein verziertes Blatt mit der «Bitte um ein Stück Kuchen».

Quelle der Inspiration: Briefe und Hefte, gefunden auf dem Dachboden der Psychiatrischen Klinik Heidelberg in den 80er-Jahren.
Bildlegende: Quelle der Inspiration: Briefe und Hefte, gefunden auf dem Dachboden der Psychiatrischen Klinik Heidelberg in den 80er-Jahren. 4028mdk09

Berührende, schockierende, manchmal auch komische Verlautbarungen zeigen Nähe und zugleich Distanz der schizophrenen Welt zu der unseren. Sie führen uns auch grosses Leid vor: Ein Betroffener charakterisierte sein Leben als «Nordpol und kein Ende».

Obwohl Hans Prinzhorn 1919 bis 1922 die psychiatrischen Kliniken Deutschlands um Bilder und Bastelarbeiten von Erkrankten anging, sendeten diese ihm zusätzlich auch Hefte, Kladden und beschriebene Einzelblätter, die anfangs der 80er-Jahre auf dem Dachboden der Psychiatrischen Klinik Heidelberg gefunden wurden.

Herbert Fritsch spielte damals in den Ensembles der Theater von Heidelberg und Basel. Er erfuhr von dem Fund. Zusammen mit dem Basler Hörspielregisseur Claude Pierre Salmony erarbeitete er mit Texten daraus  eine mehrteilige Serie, die in einem Remix 2009 zu einem «akustischen Panoptikum» verdichtet wurde.

Mit Herbert Fritsch

Hörspielfassung: Herbert Fritsch - Regie und Remix (2009): Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 1984 - Dauer: 53‘

Redaktion: Claude Pierre Salmony