Gedichte von Gottfried Benn

Abgrundzynisch, zuweilen aber auch zärtlich sind die Gedichte des Hautarztes Dr. Gottfried Benn. Unappetitliches aus der Dermatologie, grossstädtisches Nachtleben, naturwissenschaftliche Einschätzungen werden bei ihm zu lyrischem Material, für das der Jazz als Hintergrund wie geschaffen erscheint.

Gottfried Benn
Bildlegende: Hautarzt und Lyriker: Gottfried Benn. Keystone

Der berühmte deutsche Musikjournalist und produzent Joachim-Ernst Berendt lancierte in den 50er Jahren die Idee, Lyrik von Jazz unterlegt oder umrahmt zu präsentieren was damals Aufsehen erregte. Neben den so präsentierten Gedichten von Heine tat er sich auch für Benns Lyrik mit der Sprecherkoryphäe Gert Westphal zusammen. Letzterer übrigens war einer der wenigen, den der 1956 verstorbene Dichter Gottfried Benn als geeigneten Rezitator für seine Lyrik anerkannte.

Mit: Gert Westphal

Musik: Dave Brubeck, J.J. Jonson u.a. - Musikalisches Konzept: Joachim-Ernst Berendt - Produktion: Philipps 1960 - Dauer: 47'

Gottfried Benn, 1886 im brandenburgischen Putlitz geboren, absolvierte ein kostenfreies, aber mit Verpflichtung zu mehrjährigem Militärdienst verbundenes Medizinstudium an der «Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen» in Berlin. Er promovierte, praktizierte zunächst als Schiffsarzt, nahm - ohne Kriegsbegeisterung, aber auch ohne Ablehnung - am 1. Weltkrieg als Mediziner in Lazaretten teil und genoss dabei die Ruhe hinter der Front. Nach dem Krieg eröffnete er eine Praxis als Dermatologe in Berlin. Aus seinem zynisch biologistischen, antiegalitären Weltbild heraus lässt sich seine Befürwortung des Nationalsozialismus durchaus erklären, wenn die braune Ideologie auch keinen Einfluss auf seine Lyrik hatte. Es waren nach anfänglicher Zusammenarbeit aber die Nazis, die ihn aus ihren Reihen ausschlossen, weil er als Schriftsteller zu avantgardistisch war und für ihren Populismus so gar nicht taugte. Nach 1945 wurde er von den Alliierten zunächst mit Schreibverbot belegt. 1949 erschienen dann aber gleich vier Bücher. 1951 erhielt er den Georg-Büchner-Preis, und 1953 verlieh ihm der Bundespräsident Theodor Heuss das Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Benn starb 1956 in Berlin.

Redaktion: Claude Pierre Salmony