«Geld und Geist» von Jeremias Gotthelf (7/10)

Ginge es nach den Bauersleuten von Liebiwil, würde schon bald die Verlobung ihres Sohnes Resli mit Annemareili vom Dorngrüt gefeiert. Und auch Reslis Antrittsbesuch auf dem Dorngrüt gab durchaus zu Hoffnungen Anlass

Bildlegende: zVg Emmenthal Tourismus

Obwohl: Eine Spur zu freundlich nahm Annemareilis Vater den Antrag von Resli zur Kenntnis. - Ganz offensichtlich versucht der verschlagene Dorngrüter, Geschäftliches und «Anderes» so gewinnbringend wie möglich miteinander zu verbinden. Und erweist sich dabei als meisterhafter Spieler, der es ausgezeichnet versteht, seine wahren Pläne zu verbergen.

Der Streit um «Geld» und die Suche nach «Geist» stehen im Widerstreit müssten aber nicht: «Wo der Geist eine Heimstatt hat, kann Geld sehr wohl zum Segen werden.» Vor 170 Jahren vermittelte Jeremias Gotthelf seiner Leserschaft diese Botschaft. Und sie hat nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

«Es ist nicht so üppig, heiter und kraftstrotzend wie andere Bücher des Dichters, aber nach der vorherrrschenden und vielleicht begründeten Meinung der Gotthelf-Forschung seine vollkommenste Dichtung», heisst es im Kindler-Literaturlexikon über Gotthelfs «Geld und Geist».

Mit: Elisabeth Müller-Hirsch (Änneli), Hans Gfeller (Chrischte), Hansjörg Ammann (Sohn Chrischteli), Iris Zehnder (Tochter Annelisi), Urs Hirschi (Sohn Resli), Heinrich Rohrer (Der Dorngrüter), Gertrud Demenga (Frau vom Dorngrüter), Elisabeth Berger (Annemareili), Kurt Weibel (Pfarrer), Charlotte Braun (Erzählerin), Roland Keller (Erzähler), Robert Egger (Der Leser), u.a.

 

Hörspielfassung: Hans Rudolf Hubler

Regie: Robert Egger

Produktion: SRF 1966

Dauer: 50‘

Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf (1797-1854) ist für viele bis heute ein Denkmal geblieben, ein Garant für die heile, bäuerliche Welt einer Schweiz im Stillstand. Dabei geht gern vergessen, dass Gotthelf zu Lebzeiten höchst umstritten war. Nicht nur literarisch, sondern vor allem in seiner bürgerlichen Existenz als Pfarrer. Mit seinem schriftstellerischen Schaffen ging es ihm nicht in erster Linie um die Schilderung von ländlicher Lebensweise, sondern um die Zeitkritik aus der Kraft der biblischen Botschaft heraus.

Redaktion: Isabel Schaerer