«Gesprungenes Glas oder: Ich habe eine grosse Sache im Gring» von Fritz Zaugg

Zum Gedenken an Fritz Zaugg wiederholen wir eine seiner wichtigsten Hörspiel-Produktionen: das Radio-Porträt des Schriftsteller-Originals Friedrich Glauser. Fritz Zaugg, der seit 2002 sehr erfolgreich die Hörspiel-Redaktion von SRF leitete, ist kurz nach seiner Pensionierung unerwartet verstorben.

Friedrich Glauser
Bildlegende: Friedrich Glauser Hörbuch-Cover (Michael Fritschi/Fotowerk)

Es verband sie mehr als nur der Vorname. Als Fritz Zaugg 1996 seine Hörcollage über Friedrich Glauser realisierte, erfüllte er sich einen Herzenswunsch. Er wollte dem Schweizer Radiopublikum den abgründig-zerrissenen Menschen hinter dem populären Krimischreiber Glauser erfahrbar machen.

Zusammen mit zwei seiner Lieblingsschauspieler, mit Ueli Jäggi und Norbert Schwientek, unternahm er eine akustische Erkundung des komplexen Glauserschen Wesens. Dass dabei der schräge Humor nicht zu kurz kam, versteht sich von selbst. Fritz Zaugg war ein Spezialist für die tragikomischen Zwischentöne, die das Leben in den Werken der grossen Dichter hinterlässt.

«Dummerweise habe ich mich von Radioleuten überreden lassen, aus meinem Leben zu erzählen. Wenn Sie wüssten, was für einen Widerstand ich habe, in dem alten Schlamm zu wühlen. Psychologen, Irrenhausdirektoren, Vormundschaftsbehörden und weiß der Gugger wem, durfte ich meine Katastrophenlaufbahn ausbreiten. Immer die gleiche Platte!» Glauser, der Schöpfer des liebevollen und helvetisch-behäbigen Wachtmeisters Studer, hat alles andere als eine gemütliche Biographie vorzuweisen.

In Fritz Zauggs Hörcollage wird ein erschütterndes Bild des schreibenden Irrenhäuslers gezeigt, der sein Leben lang bevormundet und in ständigem Konflikt mit seinem Vater war. Sie beruht auf der autobiographischen Erzählung «Gesprungenes Glas» (eine Geschichte aus Glausers Kindheit) und auf Briefwechseln zwischen Sohn und Vater. Dazwischen tritt Glauser selber auf und gibt «Zur hübschen Niederlagenserie» seine bissigen Kommentare ab.

Mit: Norbert Schwientek (Vater), Ueli Jäggi (Glauser), Isabelle Baumberger (Frauenstimme), Desirée Meiser (Frauenstimme), Sara Capretti (Frauenstimme), Walter Baumgartner (Männerstimme)

Musik: Emil Moser, Regie: Fritz Zaugg, Produktion: SRF 1996, Dauer: 51'

Redaktion: Reto Ott