«Ich begrüsse mich ganz herzlich» von Michael Stauffer

Stauffer skizziert in Hörspielform das Grundmodell für den menschlichen Lebenslauf: Er beginnt mit der Geburt, dann folgt die Dressur zum nützlichen Mitglied der Gesellschaft, das sich verleugnet. Und führt hin zum gealterten Auslaufmodell, das diese Gesellschaft möglichst rasch loswerden will.

Ein Mensch am Anfang seines Lebens.
Bildlegende: Ein Mensch am Anfang seines Lebens. Colourbox

Es mag zwar sein, dass die meisten Menschen bei ihrer Geburt ganz herzlich begrüsst werden, aber spätestens dann, wenn man als Kind auf spielerische Art anfängt, in die Welt einzugreifen, muss man sich schon selber herzlich begrüssen, denn dann weicht die elterliche Herzlichkeit der Erziehung. Später erntet man als junger Erwachsener durch Selbstentfremdung und Selbstverleugnung wieder Herzlichkeit, sprich Anerkennung. Und wenn man sein Leben redlich verbracht hat, erlebt man die Gesellschaft plötzlich als Menschenschleuder für die unbrauchbar Gewordenen. 

Der Schweizer Schriftsteller Michael Stauffer hat 2001 in «Gartenproletarier», seinem ersten Hörspiel für SRF, satirisch den endgültigen Abschied von der Jugend dargestellt. Mit seinem zehnten Hörspiel für SRF schliesst er thematisch den Kreis mit seiner kritischen Musterbiographie. 

Mit: Vanessa Stern, Stefanie Frauwallner und Michael Stauffer 

Regie: Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 2011 - Dauer: 40'

Redaktion: Claude Pierre Salmony