«Ich doch nöd» von Helmut Peschina

Zwei Menschen umkreisen sich, interessieren sich füreinander. Sie kommen ins Gespräch, stossen sich ab, nähern sich an, brechen ihre Panzer gegenseitig auf. Vertrautheit entsteht trotz Unverständnis. Dass es sich um zwei Männer handelt, spielt keine Rolle. Oder doch?

Zwei ältere Männer von hinten fotografiert. Sie gehen eine Strasse runter.
Bildlegende: Eine reine Männerfreundschaft, oder doch mehr? Keystone

Zwei Männer begegnen sich immer wieder durch Zufall - im Café, im Tram, auf der Strasse oder vorm Pissoir. Sie spüren auf Anhieb Sympathie, kommen ins Gespräch. Zufällig erfährt der eine, der andere sei homosexuell. Und schon beginnt der Teufelskreis der Ängste, Verdächtigungen und Rückzüge, aber auch der Neugier und des Hingezogenseins. Im Dialog zeigt sich: Die Klischees stimmen alle nicht. Der Homosexuelle ist nicht verführt worden, der Ehemann ist nicht unglücklich verheiratet, das Kind ist nicht nur Kompensation einer brüchig gewordenen Beziehung. Und immer wieder - und trotz alledem - blitzt der Wunsch auf, zusammen zu sein, den anderen zu verstehen und bei alledem die eigenen Grenzen gewahrt zu wissen. Weniger aus einem neurotischen Abgrenzungsbemühen heraus als vielmehr aus wachsender Achtung voreinander. Ob aus emotionaler Neigung ein physischer Akt wird, ist dann nicht mehr wichtig. Jeder darf bleiben, wer er sein möchte - und kann.

Mit: Peter Holliger (Mann A), Hans Schenker (Mann B)

Übersetzung ins Zürichdeutsche: Katja Früh - Tontechnik: Ernst Neukomm und Ruth Pierrehumbert - Regie: Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 1983 - Dauer: 43'

Helmut Peschina, geboren 1943 in Klosterneuburg, studierte Latein, Germanistik und Theaterwissenschaft und an der Filmschule in Wien. Seit 1975 freischaffender Schriftsteller, verfasste hauptsächlich Fernsehspiele, Theaterstücke, Hörspiele und unzählige Bearbeitungen für Funk und Fernsehen.

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Redaktion: Mark Ginzler