«Ich ist ein Zoo» von Birgit Kempker

Ein Herr aus Basel rennt in der Silvesternacht durch Berlin, Topflappen unter den Füssen; der Schnee knirscht. Jahreswechsel ist angesagt, Silvesterlärm und Bilanz: Da gibt es Kräfte und Schwächen, Fragen, Gefühle, ein ganzer Zoo von Innereien! Eine Familie feiert vor dem Mikrofon den Menschen.

Am Pariser Platz in Berlin.
Bildlegende: Am Pariser Platz in Berlin. Keystone

Löst sich der Herr in seine Bestandteile auf, machen sich seine Knochen selbständig, zerbröselt er in ein halb Dutzend verschiedener Ichs, die Rabe, Vogel, Fischotter heissen? Oder hält ihn gerade das zusammen, dass der Zoo, aus dem er besteht, sich nämlich zu einer fröhlichen Zankrunde zusammengefunden hat und mit Frotzeln, Sticheln, Blödeln sich und der Welt kundtut: Ich rede, also bin ich?

In Birgit Kempkers Hörspiel wird keine lineare Geschichte erzählt, sondern ein Mensch zerlegt und in immer neuen Kombinationen wieder zusammengesetzt. Und immer liegt er im Widerstreit mit sich selbst, keift der Vogel mit dem Knochen, legt der Fischotter sich mit dem Raben an. Hier ist die Rede vom Befinden des Menschen, von seinen Ambivalenzen, seinen Gründen, Abgründen und Klüften. Aber trotz aller Tiere wird es nie tierisch ernst: Das Stück zeichne sich durch «heiligen Nonsens» aus. Und der ist heiter.

Mit: Anatol, Birgit, Paula und Pia Kempker und mit Marianne Schuppe

Tontechnik: Erwin Bindzus und Brigitte Dubach - Regie: Claude Pierre Salmony - Produktion: SRF 1996 - Dauer: 38'

Redaktion: Claude Pierre Salmony