«Ivan und die Hunde» von Hattie Naylor

Es ist eine Art moderne Passionsgeschichte, beängstigend und faszinierend zugleich. Sie spielt im Russland der 90er Jahre, wo Not und Elend regieren. Ein kleiner Moskauer Strassenjunge überlebt nur, weil er von einem Hunderudel adoptiert wird. Die Titelrolle dieser Neuproduktion spricht Joel Basman.

In der Titelrolle des Ivan: Joel Basman
Bildlegende: In der Titelrolle des Ivan: Joel Basman Max De Vree

Boris Jelzin war der erste Präsident des postsowjetischen Russland. Seine Amtszeit war geprägt von heftigen Turbulenzen. Korruption und Kriminalität griffen um sich, die Wirtschaft kollabierte. Einige wenige profitierten von der Situation: die heutigen Oligarchen. Für Millionen von Russen war sie jedoch gleichbedeutend mit Armut, Hunger, Obdachlosigkeit. Davon betroffen waren (und sind zum Teil bis heute) auch sehr viele Kinder. Vor allem in Grossstädten wie Moskau.

Ivan Mishukov ist eines von ihnen. Mit vier Jahren verlässt er seine trinkende Mutter und den prügelnden Stiefvater. Auf der Strasse trifft er andere Kinder, die Klebstoff schnüffeln und in Kellerlöchern hausen. Es mutet wie ein Wunder an, dass Ivan schliesslich von einem Rudel von Strassenhunden adoptiert wird.

Ihnen kann er vertrauen, und sie vertrauen ihm. Schritt für Schritt überschreitet der kleine Junge so die unsichtbare Grenzlinie zwischen Zivilisation und Natur. Nach zwei Jahren wird das verwilderte Kind 1998 von der Miliz aufgegriffen und ins Heim gesteckt. Ivan Mishukov lebt heute in Moskau. Er gilt als resozialisiert.

In ihrer fiktionalen Hörspiel-Version lässt die britischen Autorin Hattie Naylor den jungen Erwachsenen Ivan von heute aus seine Zeit mit den Hunden nacherzählen und nacherleben. Dazwischen montiert sind szenische Rückblenden in russischer Sprache. So entsteht in einem Spannungsfeld aus Distanz und Direktheit das Bild eines modernen Wolfskindes.

Mit: Joel Basman als Ivan, sowie den russischen Stimmen von Marija Tchorzevskaja, Alexander Suvorov, Dan Wiener, Maxim Naumov, Xenia Wiener, Nina Wiener, Christoph Schweizer, Dmitry Lvovich, Iakov Gurevich, Alexander Scholz

Deutsche Übersetzung: Anna Opel - Russische Übersetzung: Marija Tchorzevskaja - Musik: Malte Preuss - Dramaturgie und Regie: Reto Ott - Produktion: SRF 2013 - Dauer: 49'

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen das Hörspiel nur für 7 Tage zum Nachhören anbieten. Wir bitten um Verständnis.

Redaktion: Reto Ott