Premiere: «6 Uhr 41» von Jean-Philippe Blondel

Nichtsahnend sitzt Cecile morgens im Zug. Müde, nach einer schlechten Nacht im Haus ihrer Eltern. Da setzt sich Philippe zu ihr, ungefähr der letzte Sitznachbar, den sie sich gewünscht hätte. Schwer atmend, zu dick, ergraut. Ihre erste grosse Liebe, ihre erste grosse Enttäuschung.

Annette Wunsch (Cecile) und Gian Rupf (Philippe) im Hörspielstudio.
Bildlegende: Annette Wunsch (Cecile) und Gian Rupf (Philippe) im Hörspielstudio. SRF

Natürlich erkennen sie sich, wie sie da so nebeneinandersitzend durch die Landschaft fahren. Aber zum Smalltalk haben beide keine Lust und keinen Mut. So schweigen sie und erinnern sich in lebhaften inneren Monologen an ihre gemeinsamen Jugend-Erlebnisse.

Vor ungefähr dreissig Jahren, ganz jung, hatten sie eine kurze Affäre. Damals hat Philippe Cecile in London bedenkenlos sitzen lassen. Für Cecile war das der Impuls für ein selbstbestimmtes, aktives Leben. Im Gegensatz zu Philippe ist sie gut gealtert. Schön, elegant, beruflich erfolgreich. – Schnell nähert sich der Zug seinem Ziel. Endet die Reise wirklich? Oder ist ein neuer Anfang doch möglich?

Das Hörspiel «6 Uhr 41» entstand auf der Basis der Theaterfassung von Annette Wunsch («Theater Triebgut»). In der Schweizer Hörspielversion fahren die Protagonisten nicht von Troyes nach Paris wie im Roman, sondern von Landquart nach Zürich. Philippe spricht Bündner Mundart, Cecile ist Aargauerin.

Mit: Annette Wunsch (Cecile), Gian Rupf (Philippe), Karin Berri (Kathleen), Adrian Sommer (Kondukteur), Franz Baumann (Minibar-Mann)

Aus dem Französischen von Anne Braun - Mundartbearbeitung: Isabel Schaerer, Gian Rupf und Margret Nonhoff - Musik: Michael Wernli - Theaterfassung: Annette Wunsch - Hörspielfassung und Regie: Margret Nonhoff - Tontechnik: Franz Baumann - Produktion: SRF 2017 - Dauer: 49'

Redaktion: Margret Nonhoff