«S Juramareili» von Paul Haller

Die Werke des Aargauer Autors Paul Haller zählen zu den bedeutendsten Dichtungen in Schweizer Mundart. Sie beeindrucken noch heute in der Verbindung von sozialkritischer Beobachtung mit einer ausdrucksstarken Poetik. Zum 100. Todesstag liest der Schauspieler und Haller-Kenner Hansrudolf Twerenbold.

Der Todestag von Paul Haller jährt sich zum 100. Mal.
Bildlegende: Der Todestag von Paul Haller jährt sich zum 100. Mal. Staatsarchiv / NL.A-0071/0008/04/02

«S Juramareili» ist die Geschichte einer armen Familie mit zwei Kindern. Der Vater ist Trinker. Im Suff fällt er die Mutter mit dem Messer an und kommt ins Gefängnis nach Lenzburg. Mareili pflegt ihre Mutter, bis diese stirbt. Im Welschland will sie ein neues Leben beginnen, doch wird ihr die Stelle gekündigt, als der Verdacht aufkommt, dass sie krank sei. Zurück in ihrem Heimatdorf findet sie Arbeit in der Fabrik. Sie lernt einen jungen Mann kennen. Ihre Sehnsucht aber wird nicht erfüllt. Sie trifft auf ihren Vater. Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Paul Haller wurde 1882 in Rein bei Brugg als Sohn eines Pfarrers geboren. Er ergriff vorerst ebenfalls den väterlichen Beruf. 1910 gab er sein Pfarramt auf, studierte in Zürich und schloss mit einer Doktorarbeit über Pestalozzi ab. Er wurde dann Lehrer am Evangelischen Lehrerseminar in Schiers. In dieser Zeit schrieb er Gedichte und das tausend Verse lange Epos «S Juramareili», das wegen der modern anmutenden, unsentimentalen Verwendung des Dialektes aufhorchen liess. 1916 folgte das sozialkritische Liebesdrama «Marie und Robert». 1920 nahm sich Haller, der an Depressionen litt, mit 38 Jahren das Leben.

SRF erinnert an Paul Haller mit der legendären Lesung von Hansrudolf Twerenbold. Der grossartige 81-jährige Schauspieler aus Ennetbaden sorgt seit 1986 durch seine Interpretation dafür, dass sein Landsmann nicht in Vergessenheit gerät.

Mit: Hansrudolf Twerenbold

Gitarre: Martin Pirktl - Redaktion: Martin Heule - Produktion: SRF 1997 - Dauer: 44'

Eine Live-Aufnahme aus dem Kellertheater Bremgarten vom 18.10.1997

Redaktion: Reto Ott