«Vom Fenster meines Hauses aus» von Urs Widmer

In seinem Haus im Elsass schlägt der Schriftsteller auf die Tasten seiner Schreibmaschine, schlägt einen Bogen von Goethe und Friederike, die sich beim elsässischen Sesenheim zum letzten Mal küssten, zur Trinkhalle vor seiner Frankfurter Wohnung, wo sich nachts jeweilen die Kneipengänger prügeln.

Urs Widmer vor seinem Fenster
Bildlegende: Urs Widmer vor seinem Fenster Keystone

Urs Widmers siebenunddreissig Buchseiten umfassender Prosatext «Vom Fenster meines Hauses aus» ist die Haupt- und Titelgeschichte seines 1977 erschienenen Erzählbands. Der Ich-Erzähler, allem Anschein nach ein Schriftsteller, dessen «Signalement» grosse Ähnlichkeiten mit dem seines Autors hat, sitzt am Fenster eines Hauses, das ihm zu einem Sechstel gehört, und schaut auf die Rheinebene und den fernen Schwarzwald.

An seiner Schreibmaschine fehlt das L, was ihn allerdings nicht davon abhält, einen ununterbrochenen Strom phantastisch-skurriler Geschichten in die Tasten zu hämmern es geht um die Schwalben auf den Telefondrähten, um Goethe und seinen Eckermann, einen Teil der Leiche Napoleons im Keller und die Angst Gottfried Kellers, lebendig begraben zu werden, um die fünf andern Hausbesitzer, das brennende Hochhaus gegenüber seiner Wohnung in Frankfurt usw. usf. kurz: um das ganze Leben.

Urs Widmers Idee, diesen «uralten» Text als Hörspiel zu produzieren, wurde von Regisseur Stephan Heilmann begeistert aufgenommen. Bei einem Treffen im malerischen Garten des Autors kam man binnen kurzem überein, die Geschichte - in Form einer Stimmencollage - von vier Frauenstimmen und Widmer selber sprechen zu lassen. Und der Bieler Musiker und Komponist Hans Koch erklärte sich gerne bereit, einen musikalischen Soundtrack für das Hörspiel zu kreieren.

Mit Yvon Jansen, Katja Reinke, Bettina Stucky, Urs Widmer und Susanne-Marie Wrage

Musik: Hans Koch - Regie: Stephan Heilmann - Produktion: SRF 2013 - Dauer: 54‘

Redaktion: Stephan Heilmann