«Was war eigentlich 1989? – Weihnachten im Kuhstall der LPG Florian Geyer» von Thomas Kapielski

Thomas Kapielski war dabei! Mit Freunden wagt er den Schritt über die Grenze und besucht Bauern des Ostens. Anfangs für zurückgekehrte Grossgrundbesitzer gehalten, kann man die Ossis bald von der eigenen Harmlosigkeit überzeugen und dann beginnt das kräftige Fraternisieren in Stall und Wirtshaus.

Ein LPG in Ostdeutschland.
Bildlegende: Fliehten manchmal aus Verzweiflung in die entgegengesetzte Richtung: Thomas Kapielski und seine Freunde schaufelten für ein paar Ostmark Kuhmist. IMAGO

Als im Spätherbst 1989 die große Absetzwelle von Osten nach Westen rollte, erinnerten sich einige grundsatzlose Westberliner Intellektuelle an die alte Technik, in besonders verzweifelten Momenten in die entgegengesetzte Richtung zu fliehen, unter Verzicht auf dieses beleidigende Begrüssungsgeld.

Unter ihnen war auch der gelegentliche SWR2-, damals SWF2-Mitarbeiter Helmut Höge sowie Sabine Vogel, beide Freunde des Autors. Sie stiessen weit im Osten Berlins auf eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft), wo sie für geisteskrank gehalten, aber als Schaufler von Kuhkacke gegen Ostmark willkommen geheissen wurden, da die Ostkollegen alle im Westen einkaufen waren.

Als endlich Schnee lag, kamen die anderen Westberliner Intellektuellen von der Blase mit ihren etwas älteren Mercedes' und mit ihren selbstgedrehten Zigaretten zu einem frohsinnigen Besuch, und endlich wurde auch Kapielski kurz Kollege im Kuhstall der LPG Florian Geyer und verbrachte da die Weihnachtstage des Jahres 1989.

Mit: Thomas Kapielski

Produktion: SDR/SWF 1995 - Dauer: 60'

Thomas Kapielski (geboren 1951 in Berlin-Charlottenburg) studierte Philologie, physische Geographie und Philosophie in Berlin. Er ist Schriftsteller, Musiker, bildender Künstler, Hörspielmacher sowie Fotograf und präsentiert seine Arbeiten und Texte regelmässig bei Live-Auftritten. Werke u.a. «Veduten, Lampen, Tierchen» (Fotografien von 1984-2005), «Sämtliche Gottesbeweise» (2009) und «Je dickens, destojewski!» (2014).

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Redaktion: Susanne Heising