«Wildwood» von Anne Sexton

Schneewittchen höchstpersönlich lässt am Hochzeitsfest die Stiefmutter in rotglühenden Rollschuhen tanzen, Rumpelstilzchen entpuppt sich als wahnsinniges Alter Ego der sanftmütigen jungen Königin, und der erlösende Kuss für Dornröschen kommt vom eigenen Vater.

Anne Sexton, eine der prominentesten Vertreterinnen der «Confessional Poets», hat in ihrem Gedichtzyklus «Transformations» die Grimmschen Märchen mit schwarzem Humor bis zur Kenntlichkeit verwandelt, so, dass sie von ihr selbst und von der Kehrseite des amerikanischen Traums sprechen. Wenn in den gegen den Strich gebürsteten und zu einem Reigen von Albträumen gefügten Texten der Gebrüder Grimm die Prinzessinnen und Prinzen, die Zwerge und Hexen der Kindheit wiedererscheinen, offenbaren sie schicksalhafte familiäre Verstrickungen und gesellschaftliche Fesseln: erbitterte Konkurrenz zwischen Mutter und Tochter, inzestuöse Bindung zwischen Vater und Tochter, Ehe als Gefängnis - den Schrecken im Vertrauten also.

Mit: Julika Jenkins, Jennifer Khakshouri, Daniel Kashi, Rebecca Klingenberg und Doris Wolters

Deutsch: Silvia Morawetz - Musik: Philipp Schaufelberger - Regie: Simona Ryser - Produktion: Schweizer Radio DRS, 2006

Redaktion: Franziska Hirsbrunner