Der Kampf um unseren Abfall

«Input» wühlt im Abfallsack. Gebrauchte Milchflaschen, Joghurtbecher, leere Shampoos, Fleischverpackungen alles Abfall. Für den normalen Konsumenten auf jeden Fall. Doch der Plastikabfall ist gleichzeitig ein beliebter Rohstoff. Ein Rohstoff um den sich verschiedene Parteien streiten.

Plastikabfall
Bildlegende: Auch Abfall kann wertvoll sein: Plastik ist ein begehrter Rohstoff. SRF

Von der Milchflasche zum Leitungsrohr
Recycling-Spezialisten können aus unserem gebrauchten Kunststoff noch einmal Granulat herstellen und dieses an die Industrie verkaufen. So werden aus gebrauchten Milchflaschen zum Beispiel Kabelschutzrohre oder Pipeline-Kunststoff-Verkleidungen. Abnehmer gibt es viele für dieses Kunststoff-Granulat.

In der Schweiz und im Ausland wird gebrauchtes Plastik wiederverwertet. Oft muss dieser nicht einmal zu Granulat verarbeitet sein. Folien aus der Industrie oder Computern, Tastaturen und Verschalungen von anderen Elektronikartikeln werden gar direkt an Abnehmer im In- häufiger auch im Ausland verkauft.

Inno Recycling, ein Vorreiter-Firma des Plastikrecyclings in der Schweiz, verkauft je ein Drittel seines sortierten und gebündelten Kunststoff-Abfalls in der Schweiz, in Europa und nach Übersee, insbesondere China, wie der Chef Markus Tonner erklärt.

Strom aus Abfall
Heftig kritisiert wird das Kunststoffrecycling mit grossen Exportquoten von den hiesigen Kehrichtverbrennungsanlagen KVA. Diese haben grosses Interesse, dass in unseren Abfallsäcken auch weiterhin viel Plastik landet. Kunststoff ist für die KVA ein beliebter Brennstoff. Nichts in unserem Abfallsack brennt so gut wie Plastik.

Brennender Kunststoff generiert viel Hitze, und diese Hitze wiederum wird in Strom umgewandelt und als Fernwärme zum Heizen von Spitälern, Bahnhöfen und Wohnungen verwendet. «Die KVA produzieren jährlich Energie im Wert von 200 Millionen Franken», mahnt deshalb auch Robin Quartier, Geschäftsführer des Verbandes der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen.

Ökologie vs. Ökonomie
Soll Kunststoff nun recycelt oder in den KVA verbrannt und zu in Energie umgewandelt werden? Michel Monteil, Leiter der Abteilung Abfall und Rohstoffe beim Bundesamt für Umwelt, sagt: «Es ist nicht schwarz-weiss. Das eine einfach nur richtig und das andere komplett falsch.»

Aus ökologischer Sicht habe die stoffliche Wiederverwertung das Recycling jedoch einen besseren Ausweis, verweist der Plastik-Recycler Markus Tonner auf verschiedene Studien. Doch ein Recyclingsystem aufzustellen wäre im Moment zu teuer, meint der Abfallspezialist des Bundes Monteil.

Ein institutionalisiertes Recycling-System wie wir es bereits bei Papier, Glas oder auch PET kennen, dürfte es für den Plastik-Abfall in der Schweiz deshalb nicht so schnell geben. Von den jährlich 1 Million Tonnen verbrauchten Kunststoffs wird in den nächsten Jahren weiterhin der grösste Teil in den Öfen der Kehrichtverbrennungsanlagen landen.

«Kunststoff-Papst» Prof. Dr. Wolfgang Kaiser im Interview

Autor/in: Samuel Emch, Moderation: Samuel Emch