Informationskrieg – das Ende der Wahrheit

  • Samstag, 18. Februar 2017, 9:08 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Samstag, 18. Februar 2017, 9:08 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Samstag, 18. Februar 2017, 11:33 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Samstag, 18. Februar 2017, 23:03 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Sonntag, 19. Februar 2017, 1:33 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Sonntag, 19. Februar 2017, 5:33 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Sonntag, 19. Februar 2017, 12:03 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Sonntag, 19. Februar 2017, 18:30 Uhr, Radio SRF 1 und Radio SRF 4 News
    • Sonntag, 19. Februar 2017, 20:33 Uhr, Radio SRF 4 News
    • Sonntag, 19. Februar 2017, 23:03 Uhr, Radio SRF 4 News

Nicht mehr Panzer oder Flugzeuge, nicht mehr Waffen entscheiden über Sieg oder Niederlage. Sondern Worte. Moderne Konflikte werden immer häufiger als Propagandakriege ausgetragen.

Russia Today, kurz «RT», ist das Medium, mit dem der Kreml seine Sicht auf die Dinge in die Welt hinaussendet.
Bildlegende: Russia Today, kurz «RT», ist das Medium, mit dem der Kreml seine Sicht auf die Dinge in die Welt hinaussendet. Keystone

Das verschafft militärisch unterlegenen Gegnern wie Russland oder dem sogenannten «Islamischen Staat» Vorteile. Sie kontrollieren ihre Medien und nutzen sie, um gezielte Botschaften in westlichen Ländern zu platzieren. Der grosszügig finanzierte Sender „Russia Today ist ein wichtiges Instrument, ebenso die Internetplattform «Sputnik News». Dazu kommen emsige russische Trolle, eigentliche Troll-Fabriken, die sogenannte «Fake-News» produzieren, westliche Redaktionen mit einer Flut von angeblichen Leserkommentaren eindecken und so für einen schwer durchdringbaren Informationsnebel sorgen. Das passiert manchmal plump, immer öfter aber auch sehr geschickt. Die Grenze zwischen Tatsachen und Meinungen wird bewusst verwischt. Und immer mehr Leser, Hörer oder Zuschauer im Westen trauen im Grunde niemandem mehr. Und vor allem: Sie misstrauen ihren Regierungen, den Medien, den sogenannten Eliten. Das ist eine grosse Chance für ausländische «Informationskrieger».

Der Westen tut sich schwer damit, eine Gegenstrategie zu finden. Die EU hat zwar in Brüssel ein kleines Büro geschaffen, das Falschmeldungen richtigstellt und zeigt, wo Russland desinformiert hat. Die Nato besitzt seit gut zwei Jahren das Stratcom-Zentrum im lettischen Riga, eine Denkfabrik, welche die Informationstätigkeit des Gegners, ob nun russisch oder islamistisch, analysiert, erklärt und Lehren daraus zieht. Darauf, selber mit Gegenpropaganda zu antworten, verzichte man jedoch, sagt Direktor Janis Sarts. Es wäre unsinnig. Man würde damit die eigene Glaubwürdigkeit völlig zerstören. Und die westlichen Medien würden «Fake-News» seitens der Nato, der EU oder aus westlichen Regierungsquellen rasch und wirksam aufdecken. Sarts gibt aber auch zu: «Im Moment sind uns unsere Gegner überlegen; wir befinden uns auf einer Aufholjagd.»

Die führenden westlichen Medien stellt der Informationskrieg vor enorme Probleme. Selbst grosse Redaktionen wie jene des britischen Senders BBC oder der deutschen Nachrichtenagentur DPA. Immer mehr Journalisten müssen die Flut an Informationen beobachten und bewerten, um Fakten von Lügen zu unterscheiden. Redaktionen werden als Filter immer wichtiger. Doch zugleich wird ihre Aufgabe durch immer mehr Desinformation erschwert.

Autor/in: Fredy Gsteiger, Redaktion: Martin Durrer