Er liebte es einfach kompliziert: Pianist Kenny Drew jr.

Kenny Drew jr. beherrschte virtuose Klavierliteratur ebenso wie Jazz-Standards oder neue Kompositionen. Der ideenreiche Pianist mit der stupenden Technik starb 56jährig, am 4. August 2014. Der Saxophonist und Komponist Daniel Schnyder, langjähriger Freund und musikalischer Partner, erinnert an ihn.

Er trug einen Namen mit gutem Klang. Sein Vater Kenny Drew sr. (1928-1993), einer der markanten Stilisten des Bebop und Post-Bop, lebte in Kopenhagen. Doch Kenny Drew jr. wuchs in New York bei Verwandten auf und nannte seinen Vater nie als wichtigen Einfluss. Dass er überhaupt Jazzmusiker werden durfte, musste er sich als junger Mann erkämpfen.

Klavierspielen hatte er von seiner Mutter und Grossmutter gelernt. ALs Teenager spielte er Rhythm and Blues und Jazz in Clubs. Und Kenny Drew jr. hatte ein solides klassisches Fundament als Pianist: Kollegen sahen ihn oft mit schwierigster Literatur, wie Klavierwerken von Alexander Skriabin, die er ab Blatt spielen konnte.

Erste Trio-Aufnahmen konnte Kenny Drew jr. Ende der 1980er Jahre realisieren, und 1990 geann er die Great American Jazz Piano Competition am Jacksonville Festival. In den 1990er Jahren war er auch der Pianist der Mingus Bigband.

Persönliche und gesundheitliche Probleme bremsten immer wieder die Karriere des genialen Pianisten. Kenny Drew jr. lief immer dann zu Hochform auf, wenn er eine komplexe Aufgabe zu lösen bekam - so erinnert sich sein Kollege Daniel Schnyder an den musikalischen Traumpartner, mit dem er zahlreiche Projekte verwirklichen konnte.

Moderation: Andreas Müller-Crepon, Redaktion: Beat Blaser