Rätselhaft und fast vergessen: Bob Graettinger

Bob Graettingers Arbeit für Stan Kenton definierte den orchestralen Bigband-Sound neu. Der Wiener Trompeter und Komponist Franz Koglmann als Gast würdigt Graettinger als Aussenseiter und Vorläufer des «Third Stream».

Der Komponist Bob Graettinger.
Bildlegende: Der Komponist Bob Graettinger. The William P. Gottlieb Collection at the Library of Congress

Seine Arbeit als Komponist und Arrangeur für die Bigband von Stan Kenton war kurz, aber epochal. 1947 bewarb sich Bob Graettinger mit seiner unerhört radikalen Bigband-Partitur «Thermopylae» bei Kenton, und dieser nahm die Schlachtmusik als Echo des Zweiten Weltkriegs ins Bandbook. 1953 entstanden die letzten Aufnahmen mit seiner Musik, und schon 1957 starb Bob Graettinger an Krebs.

Die Suite «City of Glass» (1947 entstanden und für die Aufnahmen von 1951 noch einmal re-komponiert) spaltete das Publikum. Während die Fans sie als Verschmelzung der Modernen Klassik mit dem zeitgenössischen Bigband-Jazz feierten, hörten die Gegner nur «bullshit». Selbst die Musikerzunft teilte sich: Graettingers Kompositionen erfuhren ebenso Bewunderung wie verständnislose Ablehnung.

Der Wiener Komponist Franz Koglmann als Gast spürt im schmalen Werk Graettingers die Einflüsse der zeitgenössischen Musik wie der zweiten Wiener Schule auf, und lässt im Rückblick das kurze, ganz der Musik verschriebene Leben des genialen Sonderlings im Schatten der Jazz-Stars Revue passieren.

Moderation: Andreas Müller-Crepon, Redaktion: Beat Blaser