Tony Oxley, der britische Free Jazz Drummer Nummer 1

Der aus Sheffield stammende Tony Oxley gehört zu den einflussreichsten Schlagzeugern seiner Generation. Für seinen selbst erfunden Stil hat er ein persönliches Schlagzeug-Set entwickelt und bereits Anfang der 1970er-Jahre elektronische Effekte benutzt. Gast ist der Schlagzeuger Christian Wolfarth.

Einer der einflussreichsten Drummer: Tony Oxley.
Bildlegende: Einer der einflussreichsten Drummer: Tony Oxley. Wikimedia/Andy Newcombe

Tony Oxley, geboren am 15. Juni 1938, ging als Bub in die Klavierstunde, liess das aber bald bleiben. Als Teenager entdeckte er das Schlagzeug und leistete seinen Militärdienst in einer Armeekapelle, mit der er auch in die USA reiste. Dort entdeckte er den Jazz und beschloss, nach der Entlassung seine eigene Musik zu machen. In Sheffield gründete er seine erste Jazzband.

1963 bgegnete er dem Gitarristen Derek Bailey. Mit ihm und dem Bassisten Gavyn Bryars gründete er das Trio «Joseph Holbrooke», benannt nach einem spleenigen britischen Komponisten der frühen Moderne. Vom Jazz ausgehend, begannen die drei, Einflüsse der klassischen Avantgarde, von Messiaen bis Cage, in ihr Spiel zu integrieren und entwickelten eine daraus ihre Art der freien Improvisation.

Hausmusiker im legendären «Ronnie Scott's»

1967 zog Oxley nach London, wo er sich bald schon als ständiger Drummer im Jazzclub Ronnie Scotts etablierte. Hier spielte er mit allen, die im Jazz Rang und Namen hatten, von Ben Webster bis Mailes Davis und Stan Getz. Sein eigenwilliger Stil passte dabei nicht allen der Star-Solisten.

In den 1970er-Jahren gründete Oxley zusammen mit Kollegen die britische Musikerkooperative und lancierte ein eigenes Musiker-Plattenlabel, Incus Records. Experimente mit elektronischen Instrumenten und modifizierten Sounds führten zu einer Einladung als Artist-in-residence nach Sydney.

Künstlerische Forschungsreise zwischen Musik und Malerei

Die Begegnung mit dem Maler und Musiker Alan Davie und das Erlernen des Geigenspiels sind weitere Stationen auf Oxleys künstlerischer Forschungsreise. 1988 begann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Pianisten Cecil Taylor und dem Bassisten Evan Parker im «Feel Trio».

In den letzten 25 Jahren hat Oxley mit praktisch allen wichtigen Musiker der aktuellen europäischen Jazzszene gearbeitet und aufgenommen, sei es in seinem Celebration Orchestra der 1990er Jahre oder in kleineren Formationen. Neben seinem Schlagzeug- und Perkussionsspiel ist Oxley auch noch ein Maler, wobei er einen abstrakt-figurativen Stil verfolgt.

Der Zürcher Schlagzeuger Christian Wolfarth beschäftigt sich neben dem Jazz mit verschiedenstan Formen der Improvisation sowie Neuer Musik. Er ist der Gast von Andreas Müller-Crepon.

Erstausstrahlung: 18.06.13

Autor/in: Andreas Müller-Crepon, Redaktion: Beat Blaser