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«Als Grufti id Stifti» Von der Personalmanagerin zur Podologin

«Spinnst du eigentlich!» So reagierten einige Bekannte, als die 54-jährige, gut bezahlte Personalmanagerin beschloss, nochmals in die Lehre zu gehen – als medizinische Fusspflegerin. Heute besucht sie ein Mal pro Woche die Berufsschule und hat bisher diesen mutigen Schritt nie bereut.

Steckbrief

Name:
Regula Aebi
Alter:54
Ursprünglicher Beruf:
Betriebsökonomin HF / Personalmanagerin
Lehre als:
Podologin
Lehrbeginn:2015
Lehrbetrieb:Podologiepraxis in der Stadt Bern
Mein Fazit:
Bis jetzt habe ich meinen Entscheid noch gar nie bereut.

Regula Aebi war erfolgreiche und gut bezahlte Personalmanagerin bei einem grossen Konzern. Trotzdem begann sie sich zu fragen: «War es das jetzt? Ist das der Sinn des Lebens, was ich hier mache?» Nach reiflicher Überlegung entschied sich die 54-Jährige, den Schritt zu wagen und noch einmal etwas ganz Neues zu beginnen.

Statt Kopfarbeit wollte sie etwas machen, was Hand und Fuss hat. Und das hat ihr neuer Beruf im wahrsten Sinne des Wortes: Regula Aebi hat im August eine Lehre als Podologin angefangen, als medizinische Fusspflegerin.

In ihrem Umfeld hätten nicht alle positiv auf diesen Wechsel reagiert, erzählt Regula Aebi: «Spinnst du eigentlich! Diesen finanziellen Rückschritt wirst du nie mehr aufholen.» So einige Reaktionen. Andere wiederum hätten ihren mutigen Entscheid bewundert, weil sie selber auch schon lange gerne einen solchen Schritt wagen würden.

Lehrabschluss gleichzeitig mit dem Sohn

Auch der 18-jährige Sohn der Alleinerziehenden war anfänglich nicht begeistert, dass seine Mutter nochmals eine Lehre macht. «Kannst du nicht einmal etwas Normales machen?», habe er genörgelt, erinnert sich Regula Aebi. Inzwischen habe er sich aber daran gewöhnt. Und der Zufall will es, dass die Mutter als Podologin und der Sohn als Elektriker in zwei Jahren gleichzeitig die Lehrabschlussprüfung machen werden.

Blauäugig hat sich die 54-jährige nicht ins Abenteuer «Zweite Lehre» gestürzt. Dafür ist Regula Aebi zu sehr Realistin. Sie hat gespart und die finanzielle Situation durchgerechnet: «Unter dem Strich wird es ein Nullsummenspiel», lautete ihr Fazit. Bei einem solchen Schritt müsse man sich aber bewusst sein, dass es finanzielle Abstriche geben werde.

Berufs- und Lebenserfahrung hilft beim Kundenkontakt

Dass sie nun wieder Schülerin ist, einen Tag pro Woche an der Berufsschule Zofingen im Schulzimmer sitzt und auf Prüfungen lernen muss, macht Regula Aebi nichts aus. Etwas schwieriger war die Umstellung von der erfahrenen Fachfrau zur Anfängerin: «Man muss damit umgehen können, dass man vorher eine Person war, die um Rat gefragt wurde und nun wieder zuunterst beginnt.» Man müsse sich selber Zeit geben und sich sagen, dass es nur logisch sei, dass man nicht alles schon könne.

Bei der Arbeit mit Kundinnen und Kunden in der Podologiepraxis in der Stadt Bern kann die langjährige Betriebswirtin und Personalmanagerin dafür von ihrer Lebens- und Berufserfahrung profitieren: «Den Umgang mit Leuten und mit schwierigen Situationen bin ich mich gewohnt.»

Seit Lehrbeginn habe sie ihren Schritt noch nie bereut, meint Regula Aebi. Über 40-Jährigen, die ebenfalls darüber nachdenken, nochmals eine Lehre zu machen, sagt sie: «Ich würde auf jeden Fall empfehlen, noch einmal etwas Neues zu beginnen.»

3 Kommentare

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  • Kommentar von Stefano Simeone, 3008 Bern
    Ganz ehrlich, der Beitrag hat mich enttäuscht: Leider geht er nicht auf die betitelte Frage ein, wie Frau Aebi während der Lehrzeit als Alleinerzieherin, Wohnungsmieterin und Prämienzahlerin über die Runden gekommen ist. Inwieweit fiel Frau Aebi unters Existenzminimum? Musste sie Sozialgelder in Anspruch nehmen oder konnte sie sich vom Ersparten über Wasser halten? Ganz ehrlich: das sind die pikanten Fragen. Hingegen werden andere Meinungen und "Gefühle dabei" wiedergeben.
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  • Kommentar von Charles Dupond, Vivis
    Heute bleibt zwischen 4000 und 10 000 brutto pro Monat Renten- oder Arbeitseinkommen (aber nicht Dividendeneinkommen mit halber Steuer Rabatt) fast gleich nix Wahlbedarf uebrig. Der 4000er wird auf 7000 hochsubventioniert, der 10 000er auf 7000 abgesteuert und abumverteilt. Selektiver Kommunismus mit Abriss der armen in Ausbildung und Beruf zu Fleissigen. Immer horrendere Steuergeschenke auf Gewinnen juristischer Personen und Dividendenabzocker....
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  • Kommentar von Markus Flury, 3032
    ...herzliche Gratulation an Frau Aebi Regula zu dieser mutigen Entscheidung! Nb. Auch ich habe mich mit 37 jahren ( okay, das sind nicht ganz 54 j.) zu einer beruflichen Neuorientierung entschieden. Schlussendlich sind 32Jahre - inkl. 28Jahre Selbstständigkeit mit eigener Praxis- vergangenen. Und ich habe diese Entscheidung nicht eine Minute bereut. Ich wünsche ihnen nur das Allerbeste, der Anfang ist gemacht.....
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