Asia-Gemüse im Test: Über die Hälfte enthält zu viele Pestizide

Asiatisches Gemüse ist viel zu stark mit Pflanzengift belastet. Das zeigt ein Labortest von «Kassensturz». Die Mehrzahl der analysierten Proben überschreitet die Höchstwerte an Pestiziden. Ein Gemüse enthält gar Mengen, die gesundheitsgefährdend sind.

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Gesundheitsrisiko Asia-Gemüse – die Hälfte fällt im Test durch

7:22 min, aus Kassensturz vom 12.9.2017
  • «Kassensturz» und «Saldo» haben 20 asiatische Gemüse- und Kräuterproben im Labor auf Pestizide untersuchen lassen.
  • Elf Proben überschreiten die Pestizidhöchstwerte so, dass sie den gesetzlichen Vorschriften widersprechen und beanstandet werden müssen.
  • Eine Probe enthält gar sechs Pestizide, zwei davon in einem Masse, die die Gesundheit gefährden.

Alleine am Flughafen Zürich kommen täglich 20 bis 25 Tonnen exotisches Gemüse aus Asien an. Fünf grosse und unzählige kleine Asien-Geschäfte importieren diese frischen Lebensmittel aus Fernost. Auch Schweizer Grossverteiler haben eine kleine Auswahl an asiatischem Gemüse in ihren Regalen.

«Kassensturz» hat in unterschiedlichen asiatischen Spezialitätenläden in Bern und Zürich sowie bei Coop, Globus und Migros eingekauft. In den Einkaufskorb kamen Frischprodukte wie Thai-Auberginen, Wasserkresse oder Okra. Alle Produkte stammen aus Thailand, Sri Lanka und Vietnam.

Über die Hälfte beanstandet

Das Kantonslabor Zürich hat im Auftrag der Zeitschrift «Saldo» und «Kassensturz» die 20 Stichproben untersucht. Lediglich acht der getesteten Proben sind unproblematisch «und können bedenkenlos gegessen werden», erklärt Kantonschemiker Martin Brunner.

Die weitaus grössere Gruppe muss der Kantonschemiker beanstanden. Elf Proben überschreiten den Höchstwert einzelner Pestizide (siehe Resultate-Tabelle). «Da ist die gute Herstellungspraxis, die gute Agrarpraxis nicht eingehalten», bedauert Brunner. «Diese Produkte wollen wir hier auf dem Schweizer Markt nicht.»

Erschreckend: Eine weitere Probe, ein Parsley aus Vietnam, muss sogar als «gesundheitsgefährdend» eingestuft werden. «Das Gemüse enthält zwei Wirkstoffe in einer Höhe, die gesundheitliche Auswirkungen haben kann.» Eine normale Portion von diesem Parsley reiche aus, um Folgen auf Nerven oder Organe zu spüren, so der Zürcher Kantonschemiker. Überschreitet ein Produkt den festgelegten Grenzwert (ARfD – akute Referenzdosis, siehe Box), darf es in der Schweiz nicht mehr verkauft werden.

Import gestoppt

«Kassensturz» hat den stark belasteten Parsley im Asia-Laden «A-Chau Trading» in Bern gekauft. Das Unternehmen schreibt auf Anfrage: «Wir haben den Import von Parsley aus Vietnam sofort gestoppt, nachdem wir die Resultate von Ihnen erhalten haben.» Zudem hätten sie sofort den Lieferanten auf die Mängel hingewiesen.

«Aufgrund der importierten Menge ist es uns jedoch nicht möglich, jedes Produkt zu kontrollieren», rechtfertigt sich A-Chau Trading.

Seit Jahren Pestizid-Probleme

Die Grossverteiler Coop und Globus, bemängelt das Labor Schlangenbohnen beziehungsweise Thai-Frühligszwiebeln und Okra. Beide schreiben, sie wollen der Sache nachgehen. Asia Store verspricht, dass sie die betroffenen «Bitter Melons» aus dem Verkehr ziehen, bis die Ursache der Höchstwertüberschreitung geklärt sei.

Bei den Stichproben von asiatischem Gemüse und asiatischen Kräutern stellt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit seit Jahren Höchstwertüberschreitungen fest. «Dieses Geschäft ist von grossen Veränderungen betroffen», erklärt Kantonschemiker Brunner. «Importeure wechseln, Herstellungsländer und -produzenten wechseln – daher ist es schwierig, nachhaltig auf die Hersteller und Importeure zu wirken.»

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Das indische Familienunternehmen Aggarwal importiert seit Jahrzehnten Nahrungsmittel aus Fernost. Das Problem des pestizidbelasteten Gemüses aus Asien kennen die Verantwortlichen. «Wir Importeure sind alle verpflichtet, Selbstkontrollen durchzuführen», sagt Amrit Aggarwal. Was sein Unternehmen speziell mache: Sie würden direkt im Herstellungsland mit den Produzenten ein Vertrauensverhältnis aufbauen, um die Qualitätsstandards zu sichern.

«Die Schwierigkeit ist: Mein Lieferant will mich nicht enttäuschen. Wenn er zu wenig liefern kann, kauft er deswegen Ware hinzu», so Aggarwal. Hier setze man nun an und verzichte lieber auf Ware und importiere eine kleinere Menge. Diese Haltung müsse er nun seinen Produzenten vermitteln.

Verbesserter Schutz an Schweizer Grenzen

Um den Schutz in der Schweiz zu verbessern, intensiviert das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit seine Kontrollen. Müssen Gemüse und Kräuter eines Importeurs wiederholt beanstandet werden, muss dieser den Import zukünftig den zuständigen kantonalen Vollzugsbehörden melden. Die kontrollieren Proben der importierten Ware und geben das Gemüse erst frei, wenn es unbedenklich ist.

Das wurde gemessen

Die akute Referenzdosis (ARfD) stellt die toxikologisch gerade noch akzeptable einmalige Aufnahmemenge eines Wirkstoffs dar. Sie wird festgelegt für Wirkstoffe, die schon nach einmaliger oder kurzzeitiger Aufnahme die Gesundheit schädigten können, also eine hohe akute Toxizität aufweisen. (Quelle: Kantonales Labor Zürich)

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