Ein Forschungszentrum für den Deutschschweizer Wein

Lange war die Versuchsanstalt Wädenswil führend in der Weinbauforschung. Zum Sparen konzentrierte der Bund diese aber in die Westschweiz. Für die Deutschschweizer Weinbranche ein Problem: Es fehlt an praxisgerechten Forschungsergebnissen. Sie baut daher in Wädenswil wieder ein Weinbauzentrum auf.

Die einst renommierte Weinbauforschung in Wädenswil wurde im Laufe der Jahre praktisch weggespart. Geforscht und neues Praxiswissen entwickelt wird nun in der Westschweiz. Dies macht den Deutschschweizer Weinproduzenten Bauchweh: «In der Westschweiz werden andere Sorten angebaut. Das Klima und die Böden sind anders», sagt Lukas Bertschinger, Präsident des Vereins Weinbauzentrum Wädenswil. Die Deutschschweizer Weinbaubranche brauche Resultate, die aus der Deutschschweiz kommen, damit sie auch in der Praxis anwendbar seien.

Digitalisierung des Weinbaus

Der Branchen-Dachverband hat deshalb die Initiative für ein neues Weinbauzentrum in Wädenswil, WBZW, ergriffen. Dieses soll die alte Tradition wiederaufnehmen mit standort- und praxisgerechter Forschung. Zudem soll das Zentrum Aus- und Weiterbildung und den Austausch innerhalb der Deutschschweizer Weinbranche ermöglichen, vom Winzer bis zum Händler. Getragen wird es vom Verein Weinbauzentrum Wädenswil, dem der Branchenverband und verschiedene Schulen und Forschungsanstalten angehören.

Am 1. Januar 2018 soll das Zentrum offiziell den Betrieb aufnehmen. Die Arbeit im Weinbauzentrum hat aber bereits im Sommer 2017 begonnen. Die Anschubfinanzierung durch die Branche ist mehrheitlich gesichert. Zu den Forschungsschwerpunkten des Zentrums gehören Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Weinproduktion, beispielsweise mit dem Einsatz von Drohnen und Sonden im Weinberg.

Nachhaltigere Weine für die Konsumenten

In den hauseigenen Rebbergen in Wädenswil, auf der Halbinsel Au und in Stäfa baut das Zentrum für Versuche und Forschung Wein an. So laufen beispielsweise Versuche mit neuen pilz-resistenten Traubensorten. Bei diesen muss weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Das entspreche auch den Konsumentenwünschen, sagt Christian Maurer, Projektleiter des WBZW. Das Zentrum probiert ständig neue Methoden aus, um Wein zu keltern und auszubauen. Das hauseigene Labor ermöglicht es, alle Versuche aber auch auswärtige Weinproben zu analysieren.

Dank der Versuche könne man Winzer und Önologen praxisnah beraten, sagt Christian Maurer: «Einem Produzenten können wir aufgrund unserer Ergebnisse sagen, ob er das Risiko für eine neue Methode eingehen kann, weil er beispielsweise ähnliche klimatische Bedingungen hat. Oder ob er es lieber bleiben lassen soll.» Die Erkenntnisse des neuen Zentrums sollen auch den Konsumenten nützen, indem die Weine nachhaltiger und ökologischer werden und die Qualität stimmt.

Über 100-jährige Weine im Keller

Eine Besonderheit des Weinbauzentrums ist der historische Weinkeller des Weinbauzentrums. Hier lagern Weine bis zurück ins 19. Jahrhundert. Das ermöglicht den Forscherinnen und Forschern einmalige Einblicke in die Geschichte des Deutschschweizer Weins.