Fragwürdiges Heublumenbett: Dank «Espresso» gibt’s Geld zurück

Die teuren Heublumen-Matratzenauflagen der Firma Santhera GmbH sorgen mit ihren hohen Preisen und fragwürdigen Gesundheitsversprechen immer wieder für Ärger bei Kunden. Dank «Espresso» gibt’s jetzt aber das Geld zurück.

2016: Nach wie vor wird die Matratzenauflage verkauft

Auch rund ein Jahr nach der Berichterstattung von «Espresso» sind die Vertreter der Firma Santhera GmbH aus Buchs noch immer mit ihren Heublumen-Matratzenauflagen unterwegs. Ein älteres Ehepaar aus der Region Basel liess sich von einem Santhera-Vertreter kürzlich Produkte im Wert von 4500 Franken aufschwatzen und fühlte sich wenig später über den Tisch gezogen. Mit Hinweis auf «Espresso» erhielten auch diese Kunden das Geld nun wieder zurück.

Rentnerin Pia S. hat mit ihren 80 Jahren einige kleinere Gebrechen. Am meisten plagen sie Einschlafprobleme und Gelenkschmerzen. Als sie kürzlich im Briefkasten eine Broschüre der Firma Santhera GmbH findet, in der für ein mysteriöses Produkt geworben wird, das ihre Leiden lindern soll, wird sie hellhörig. Sie fordert per Talon weitere Informationen an.

Vertreter verspricht Hilfe gegen Schlafprobleme und Rheuma

Die Informationen kommen in Form eines Vertreters, der kurz darauf vor ihrer Türe steht. In der Hand eine Matratzen-Auflage. In dieser «Heublumenmatte» sollen Heublumen, Arnika, Holunder, Minze, Brennnesseln, Lavendel, Rosmarin und Schafgarben drin sein. Und sie soll gegen Schlafprobleme und Schmerzen helfen, verspricht der Vertreter. Trotz horrendem Preis von 1900 Franken willigt Rentnerin Pia S. ein: «Ich dachte, jetzt gönne ich mir einmal etwas. Damit schlafe ich endlich besser, und es ist sicher auch gut für meine alten Gelenke.»

Statt Heilkräuter nur billiges Heu?

Nahaufnahme Heu Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Matratzeninhalt: Von Heublumen ist nichts zu sehen. SRF

Als die Santhera-Kundin nach rund einem Monat keine Wirkung spürt, beschliesst sie, die Matte aufzuschneiden. Anstatt der versprochenen Heilkräuter findet sie neben Sägemehl vor allem Heu: «Ich habe keine einzige Blume gefunden. Erst als ich das Sägemehl mit dem Vergrösserungsglas inspizierte, habe ich ein paar Lavendelblütchen entdeckt.» Pia S. fühlt sich über den Tisch gezogen.

Stolzer Preis weil «handgemacht»

Seit fast 15 Jahren geht die Firma Santhera GmbH auf diese Art auf Kundenfang. Eine Broschüre verspricht Abhilfe bei Rheuma, Rückenschmerzen oder Schlafproblemen. Um was es sich genau handelt, erfahren die Kunden erst vom Vertreter.

Auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 bestreitet die Firma Santhera GmbH, dass ihre Heilkräuter-Matratzenunterlage quasi nur aus billigem Heu besteht. Santhera schreibt: «Wir verwenden für unser Produkt ausschliesslich die besten, handverlesenen Kräuter.» Und zum horrenden Preis von 1900 Franken pro Decke schreibt das Unternehmen: «Bei uns ist jedes Heublumenbett etwas Besonderes - da es zu 100 Prozent handverarbeitet wird.»

«So etwas würde ich nicht kaufen»

Auflistung von Krankheiten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Matratze verspricht Hilfe bei so manchem Wehwehchen. Santhera

Diverse Experten bezweifeln gegenüber «Espresso», dass so eine Heublumenmatte einhalten kann, was die Werbung verspricht. Und sie kritisieren den «exorbitanten Preis». Beat Meier von der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie SMGP, der sich jahrelang mit Arzneipflanzen-Forschung beschäftigt hat, meint kurz und bündig: «So etwas würde ich nicht kaufen.» Nicht zuletzt auch deshalb, weil ätherische Öle nach einem halben Jahr sowieso mehr oder weniger verdunstet seien. Beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic heisst es auf Anfrage, die Werbeversprechen der Santhera GmbH für das Heublumenbett lägen «im Graubereich».

Derweil schickt Rentnerin Pia S. enttäuscht eine Hand voll Heu per Post an Santhera zurück. Und schreibt, sie sei nicht gewillt, für 1900 Franken auf profanem Heu zu schlafen. Doch erst als sich «Espresso» einschaltet, erklärt sich das Unternehmen bereit, der Rentnerin den Kaufpreis zurückzuerstatten.