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Umwelt und Verkehr «In der Schweiz blockieren Einsprachen Windpark-Projekte»

Die Windkraft in der Schweiz hat es schwer: Zahlreiche Projekte sind gescheitert oder mittels Beschwerden blockiert. Im Gegensatz zu beispielsweise Norwegen haben in der Schweiz Einsprachen bei Windparkprojekten bisher immer aufschiebende Wirkung gehabt.

Reto Rigassi ist Geschäftsführer von Suisse-Eole, des Branchenverbands der Schweizer Windproduzenten. Im Interview mit «Kassensturz» erklärt er, was in der Schweiz Windpark-Projekte verhindert und warum es durchaus Sinn macht, vor der eigenen Haustüre in diese erneuerbare Energie zu investieren.

«Kassensturz» vom 11.12.2018

«Kassensturz» vom 11.12.2018

Umstrittener Windpark: Schweizer Investment verdrängt nordische Urbevölkerung.

«Kassensturz»: Kann in der Schweiz eine Windanlage vorzeitig gebaut werden, wenn ein Verfahren hängig ist?

Reto Rigassi: Nein, das blockiert das Projekt. Bis jetzt hat jede Einsprache oder Beschwerde aufschiebende Wirkung gehabt. Wir können wirklich erst bauen, wenn ein Urteil des Gerichts da ist.

Legende: Video Rigassi über die Blockaden durch Einsprachen abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus Kassensturz vom 11.12.2018.

Sie schätzen, dass gut ein halbes Dutzend Projekte mit rund 100 Anlagen zurzeit in der Schweiz wegen Einsprachen blockiert sind. Was sind die Hauptgründe?

Ob die vorgebrachten Gründe immer auch die effektive Motivation sind für eine Einsprache, das bezweifle ich. Vielen Leuten gefallen die Windräder nicht, man findet die Technologie nicht sinnvoll oder man befürwortet die Atomenergie. Aber hauptsächlich Gewicht vor Gericht hat der Artenschutz.

Das heisst?

Beim Artenschutz haben wir das Vorsorgeprinzip. Da können sie immer behaupten, es würde etwas passieren, wenn man das aufstellt. Unser Verdacht ist, dass der Artenschutz manchmal missbraucht wird, um vor Gericht die besten Chancen zu haben.

Der Bund hat sich zum Ziel gesetzt, sieben Prozent des eigenen Stroms bis 2050 in der Schweiz zu produzieren. Ist das realistisch?

Wenn wir das wollen, schaffen wir das problemlos. Das ist kein hohes Ziel. Wenn sie nach Deutschland blicken, auch in Süddeutschland, dann hat man diese Zahlen schon. Wir sind der Meinung, Windstrom muss hier produziert werden, aber möglichst in vorbelasteten Gebieten, also nicht in unberührter Landschaft.

Ist das auch realistisch beim heutigen Widerstand in der Schweiz?

Es muss sich etwas ändern. Wenn die Gegner immer Recht kriegen, dann hören wir auf. Dann müssen wir Strom importieren. Wenn wir Recht bekommen, dann werden wir unser Potential nutzen könne. Dass wir das in absehbarer Zeit können, davon bin ich eigentlich überzeugt.

Legende: Video Einsprachen werden abnehmen oder Projekte aufhören abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus Kassensturz vom 11.12.2018.

Warum macht es Sinn, Strom vor der eigenen Haustüre zu produzieren?

Es gibt sehr gute Gründe, warum man das in der Schweiz machen soll. Wenn der Strom im Ausland entsteht, muss er zuerst in die Schweiz kommen. Überlandleitungen sind nicht einfach so vorhanden. Die Kapazitäten fehlen. Ein Windkraftwerk in Norwegen nützt uns für die Versorgungssicherheit in der Schweiz nichts, wenn man nicht zusätzliche Leitungen von Norwegen in die Schweiz bauen kann. Kommt hinzu, dass uns das Ausland bei Versorgungsengpässen kaum vor der eigenen Bevölkerung bedienen wird.

Legende: Video Warum der Standort Schweiz so wertvoll ist abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus Kassensturz vom 11.12.2018.

Dieses Interview führte Kathrin Winzenried.

Interaktive Karte: Die Windanlagen der Schweiz in der Übersicht (Stand: Mai 2017)

1 Kommentar

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Was uns Rigassi da erzählt ist "hafechäs". Fakt ist doch, dass Windräder schlichtweg nicht das bringen, was uns Rigassi und Konsorten weis machen wollen (und dafür vom BFE pro Jahr eine halbe Million abstauben!). Wirtschaftlichkeitsrechnungen zeigen deutlich, dass auch mit Subventionen(!) Windkraftanlagen im Jura und im Mittelland schlichtweg nicht rentabel sind. Rigassi soll sich doch mal einer öffentlichen Diskussion mit mir stellen. Und dann Fakten auf den Tisch legen!
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