«Espresso Aha!» Künstlicher Schweiss bringt Schadstoffe ans Licht

Um die Sicherheit zum Beispiel von Textilien zu prüfen, kommt häufig künstlicher Schweiss zum Einsatz. Dieser zeigt, ob sich beim Schwitzen heikle Stoffe wie etwa Schwermetalle herauslösen. Der künstliche Schweiss simuliere am ehesten reale Tragebedingungen, sagt der Experte zu «Espresso Aha!».

Ungefähr einen halben Liter Schweiss sondern unsere Schweissdrüsen an einem durchschnittlichen Tag ab. Bei grosser Hitze oder sportlichen Aktivitäten können es auch mehrere Liter sein. Fast alles, was wir an unserem Körper haben, kommt also mit Schweiss in Kontakt: Schmuck, Uhren, Brillen, Hörgeräte – vor allem aber natürlich Kleider und Schuhe.

Nicht an allem geht unser Schwitzen spurlos vorbei. Verfärbungen sind zwar eine lästige aber harmlose Folge davon. Heikler ist es, wenn sich durch den Schweiss Schadstoffe herauslösen.

«Farbechtheit ist sehr bedeutsam»

Eines der führenden Unternehmen im Bereich der sogenannten Humanökologie ist Gore, bekannt für seine atmungsaktive, wasserdichte Gore-Tex-Membran. «Es gibt Farbstoffe, die durchaus als heikel betrachtet werden können, wenn sie sich im Übermass lösen», sagt Kilian Hochrein, der bei Gore im Bereich Textilien für die Produktsicherheit verantwortlich ist. Aus diesem Grund sei die Farbechtheit gegenüber Schweiss sehr bedeutsam, wenn es um die Sicherheit von Produkten gehe.

Heikle Stoffe gelangen aber nicht nur durch das Färben in die Textilien, sondern können auch sonst im Produktionsprozess damit belastet werden. «Das sind bei Naturfasern beispielsweise Pestizide. Das können aber auch Schwermetalle sein, die aus verschiedenen Stufen der Textilherstellung kommen können.» Oft komme hier Schweisslösung zum Einsatz, um festzustellen, ob eine Belastung des Trägers stattfinden könne. Für die Tests wird bewusst nicht gewöhnliches Wasser verwendet, weil Schweiss den eigentlichen Tragebedingungen gerechter wird.

Schweiss nach Rezept

Das Schweizer Textilprüfunternehmen Testex führt regelmässig solche Tests durch. Dies etwa im Rahmen der Zertifizierung für das Öko-Tex-Label, welches unter anderem für schadstofffreie Textilien steht. «Wenn wir solche Prüfungen durchführen, setzen wir die künstlichen Schweisslösungen jeden Tag frisch an», sagt Ralph Sontheim, der bei Testex die Textilprüfung verantwortet. Die Zusammensetzung der Schweisslösung sei genormt: «Sie müssen sich das wie ein Rezeptbuch vorstellen.»

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«Espresso Aha!»

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Die Schweisslösung hat unterschiedliche Verwendungszwecke: Einerseits kommt sie zum Einsatz, wenn geprüft werden soll, ob und wie stark Textilien abfärben, andererseits dient sie dazu, gesundheitsgefährdende Schwermetalle aus Textilien auszulösen. Werden Grenzwerte überschritten, führt dies im Extremfall zum Rückruf eines Produkts.

Brillen unter der Schweissdusche

Schweiss ist nicht bloss für die Textilindustrie eine Herausforderung. Auch andere Produkte werden mit der Schweisslösung getestet: Schmuck, Uhren, Hörgeräte, Bankkarten oder auch Brillen. Der deutsche Brillenhersteller Rodenstock schreibt: «Wir besprühen die Fassungen mit künstlichem Schweiss.» Danach würden die Fassungen während 24 Stunden bei 55 Grad gelagert. Dabei geht es aber weniger um das Aufstöbern von Schadstoffen: «Bei der Prüfung der Schweissbeständigkeit achten wir darauf, dass sich weder Funktion noch Aussehen der Brillenfassung verändern.»

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