Reifenservice im Test: Auch Pneuhäuser beraten wenig

Um den richtigen Sommerreifen zu finden, verlassen sich Autofahrer auf Beratung der Händler. Doch wie verlässlich sind Auskünfte von Garagen und Reifenhändlern? «Mystery Shopper» liessen sich im Auftrag von «Kassensturz» verdeckt beraten – und fanden riesige Unterschiede in Preis und Qualität.

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Reifenservice im Test: Hängen Pneu-Discounter die Garagen ab?

8:46 min, aus Kassensturz vom 5.4.2016

Wer neue Sommerreifen kaufen muss, ist auf die Beratung der Reifenanbieter angewiesen. Denn Reifen ist nicht gleich Reifen, das Angebot ist gigantisch: Von günstigen zu teureren Markenreifen mit besonders kurzem Bremsweg, sparsame oder möglichst langlebige Reifen. Gute Beratung tut not.

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Pneuhandel in der Schweiz

In der Schweiz werden im Jahr ca. 6,5 Mio Reifen verkauft. Branchen-Insider schätzen das Marktvolumen auf rund 850 Mio Franken. Rund die Hälfte aller Reifen verkaufen Garagen, allerdings hat der Online-Handel in den letzten Jahren massiv zugenommen (Marktanteil vor 6 Jahren 5 Prozent, heute 15 Prozent). Auf Pneuhäuser entfallen rund 35 Prozent.

«Kassensturz» hat zusammen mit dem Touring Club Schweiz TCS 16 Reifenanbieter getestet: Vier Online-Anbieter, vier schweizweit tätige Pneuhäuser und acht schweizweit tätige Garagen-Ketten. Folgende Punkte wurden an den selben Tagen und in der Region Luzern verglichen:

  • Serviceangebot und Bedarfsabklärung: Eine Bedarfsabklärung findet häufig gar nicht statt. Die Empfehlung für einen Reifen wird ausgesprochen, ohne diese auf die Bedürfnisse, Präferenzen und das Fahrverhalten der Kunden abzustimmen. Die Hälfte der im Rahmen der Studie erhobenen Fachmärkte bieten keine Möglichkeit einer Terminvereinbarung.
  • Fachkompetenz: Die Onlineanbieter schneiden deutlich schlechter ab. Bei Garagen und Pneuhäusern ist sie in der Regel gut.
  • Preise: Bei den Onlineanbietern erhält man die mit Abstand günstigsten Preise für die Reifen. In etwa 30 - 40 Prozent günstiger als bei Pneuhäuser und in der Garage.

Als Referenzauto für den Test hat sich der TCS für einen Opel Astra Kombi entschieden, einem der meistverkauften Autos in der Schweiz. «Für dieses Auto suchen wir vier Sommerreifen mit Augenmerk auf kurzem Bremsweg, niedriger Verbrauch, niedrigem Geräuschpegel und einer Leistung von 5000 Kilometer pro Jahr», erklärt TCS-Mann Reto Blättler im «Kassensturz».

So wurde getestet

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Testtabelle:

Testtabelle:

Die detaillierten Testresultate finden Sie hier.

Für den Test arbeiten «Kassensturz» und TCS mit der auf Testeinkäufe spezialisierten Firma Neumann, Zanetti und Partner zusammen. Am Telefon holen die Testeinkäufer an zwei Stichtagen (21. und 22. März 2016) bei den Reifenanbietern anonym Offerten ein. Als Testregion dient der Kanton Luzern. «Gute Noten erhalten jene Reifenanbieter, die sich für die Bedürfnisse der Kunden interessieren, also die richtigen Fragen stellen. Zum Beispiel: Markenpneu oder Günstigreifen? Komplettrad oder nur Reifen?», umschreibt Testeinkäufer Michael Kolp die Anforderungen an die Reifenanbieter.

Für den Preisvergleich lassen sich die Mystery-Shopper zudem zwei der meistverkauften Sommerreifen offerieren und fragen nach dem günstigsten Reifen im Sortiment. Der Preis ist aber nicht Notenrelevant: Benotet wird die Beratung und die Serviceleistung (Felgenreinigung, Altreifenentsorgung, Garantieleistungen, Lieferfrist). Reifenspezialist Reto Blättler vom TCS hört die Anrufe mit und beurteilt die Qualität der Beratung und die Fachkompetenz der Mitarbeiter.

Schlechte Noten für Online-Anbieter

Am schlechtesten schneiden im Test die Online-Anbieter ab: «Eine Bedarfsabklärung fand bei keinem der getesteten Online-Händler statt. Und nur einer der vier Anbieter hat mir einen akzeptablen Reifen angeboten», zeigt sich TCS-Mann Reto Blättler enttäuscht.

Beim Online-Anbieter Reifendirekt wurde der Testeinkäufer in ein Callcenter mit englisch sprechenden Mitarbeitern verbunden, die Fachkompetenz ist mangelhaft, daher git es hier die ungenügende Note 2,6. Pneu Online offeriert die Sommerreifen zum tiefsten Preis im Test. Aber auch hier fehlt es an Fachkompetenz: Note 2,6. Ebenfalls ungenügende Gesamtbewertungen erhalten am Stichtag die Onlineanbieter Popgom und Pneuexperte.

Auch Pneuhäuser enttäuschen

Ebenfalls ungenügend im Test schneiden das Pneuhaus Adam-Touring in Seewen, die Garage Carexpert in Ebikon sowie das Pneuhaus Agom in Immensee ab. Ein Pikantes Ergebnis, sind doch Pneuhäuser auf Reifen spezialisiert.

Bei Garage Plus in Küssnacht ist die Beratung knapp genügend: Note 4.

Ebenfalls nur wenig Beratung erhielten unsere Testeinkäufer bei Pneu Egger in Rothenburg, bei der Migrol-Garage in Ebikon und beim Pneuhaus Euromaster in Dierikon: Alle schliessen mit der Note 4,1 ab.

Emil Frey in Kriens bietet mit 12.50 Franken die günstigste Montage pro Rad an. Allerdings kommt auch hier die Beratung zu kurz: Note 4,2. Etwas besser ist die Beratung bei Autofit in Luzern und bei Le Garage in Emmenbrücke.

Garagen haben Preise gesenkt

Auffallend sind bei den Garagen die Reifenpreise: «Die Garagen haben sich in den letzten Jahren im Preisniveau den Online-Anbietern angenähert, und sind heute rund 25 Prozent günstiger als früher», stellt Testeinkäufer Michael Kolp fest. Aber: Sie sind immer noch teurer als der Onlinehandel.

Gute Noten erhalten die Amag-Garage in Kriens und die Firststop-Garage in Malters. Beide überzeugen mit hoher Fachkompetenz, schade dass die Bedürfnisabklärung am Telefon etwas knapp ausgefallen ist. Immerhin aber empfehlen sie qualitativ gute Reifen.

Vorsicht bei RDKS

Besondere Vorsicht ist bei Autos mit Elektronischem Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) geboten. Seit November 2014 müssen alle neuimportierten Fahrzeuge über ein solches System verfügen. «RDKS warnt über den Bordcomputer den Autofahrer bei zu wenig Druck in den Reifen. Beim Kauf eines Komplettrades muss bei Automodellen wie unserem Opel Astra zusätzlich ein Sensor in die Felge eingebaut werden», erklärt TCS-Mann Reto Blättler. Dies könne bis zu 200 Franken Mehrkosten pro Rad verursachen. «Im Test haben uns allerdings nur die wenigsten Anbieter auf diesen Punkt aufmerksam gemacht.»

Bei allen Modellen ohne RDKS sollte der Luftdruck im Pneu mindestens ein Mal pro Monat überprüft werden.

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