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Arbeit Lohnschere: Was UBS und Co. vom Profifussball lernen können

Eine Studie über Fussballer-Löhne zeigt: Je grösser die Lohnschere im Klub, desto schlechter spielen die Kicker. Das sollte auch den Chefs von Konzernen wie UBS oder Nestlé zu denken geben.

Im Fussball lässt sich die Leistung jedes Einzelnen leicht messen: Fussballdatenbanken erfassen, wie viele Tore ein Spieler erzielt, wie viele Pässe er gibt oder wie oft er foult. Der renommierte Volkswirtschaftsprofessor Bruno S. Frey von der Universität Zürich hat anhand von Daten aus der deutschen Bundesliga eine Studie über den Zusammenhang von Leistung und Lohnunterschieden in den verschiedenen Teams verfasst. Hiezu wurden die Daten von über 1100 Bundesliga-Profis analysiert. Das Fazit: "Wir haben herausgefunden: Wenn die Lohnunterschiede allzu gross sind, ziehen die Teammitglieder nicht mehr richtig mit und das Team ist weniger erfolgreich."

Kleinere Lohnschere führt zum Erfolg

Zu teure Stars schaden dem Erfolg. Diese Erfahrung machte auch der FC Zürich mit teuren Spielern wie zum Beispiel Guerrero, der 3,6 Millionen Franken kostete. Der FCZ blieb 25 Jahre ohne Meistertitel. Jetzt ist der Erfolg zurück. Unter der Führung von FCZ-Manager Fredy Bickel gilt: Kleinere Lohnunterschiede im Team, gleich hohe Prämien für alle Spieler. "Bei uns beträgt der durchschnittliche Prämienanteil eines Monatslohns 50 bis 60 Prozent. Es gibt nur eine Prämie für alle Spieler, allerdings nur für jene, die von Anfang an auf dem Platz sind", erklärt Bickel. Dank kleiner gewordener Lohnschere ist der FCZ wieder erfolgreich. Doch für normale Angestellte gilt: Die Lohnunterschiede in den Unternehmen werden immer grösser. Während die Löhne vieler Angestellten stagnieren, exlodieren die Gehälter der Topmanager.

Die grösste Lohnschere hat laut einer Untersuchung der Gewerkschaft Travaillesuisse die UBS: Marcel Ospel verdiente 2003 422 mal sowiel wie die Mitarbeiter mit dem tiefsten Lohn. 2005 war es bereits 544 mal soviel . Bei der Credit Suisse war der höchste Lohn 2005 514 mal grösser als der kleinste. Gegenüber 2003 vergrösserte sich die Lohnschere um 267 Prozent. Gross ist die Lohnschere auch bei Nestlé: 1:312. Auf Platz vier und fünf der Rangliste der grössten Lohnunterschiede folgen die Chemiemultis Novartis und Roche. Die Auswirkungen solcher riesieger Lohnunterschiede liegt für die Ökonomin Susanne Blank von Travaillesuisse auf der Hand: "Wenn der Chef 500 mal mehr verdient als der normale Mitarbeiter, hat das nichts mit Leistung zu tun. Das wird als unfair empfunden und senkt die Leistungbereitschaft der Mitarbeiter, was sich wiederum negativ auf das Gesamtresultat des Unternehmens auswirkt", sagt Blank.

Profit meist für die Manager

UBS, CS und Nestlé wollten dazu vor der Kamera nicht Stellung nehmen. Novartis schreibt Kassensturz: "Novartis ist in der Lage, die besten Leute zu rekrutieren, weil wir konkurrenzfähige Löhne anbieten, die deutlich über dem Schweizer Durchschnittslohn für vergleichbare Positionen liegen. Interne Studien bei Novartis belegen ein hohes Mass an Mitarbeiterzufriedenheit." Roche schreibt: "Wie verschiedene Umfragen immer wieder bestätigen, sind unsere Mitarbeitenden sehr motiviert. Wir führen dies unter anderem auf die sehr guten Arbeitsbedingungen von Roche auf allen Stufen zurück. Und Credit Suisse schreibt zur grossen Lohnschere in ihrem Unternehmen: "Das Lohngefüge bei der Credit Suisse wiederspiegelt die sehr unterschiedlichen Funktionen und Verantwortungsbereiche der Mitarbeitenden (...) Auf allen Stufen und in allen Bereichen bezahlt die Credit Suisse nämlich absolut marktgerechte Löhne."

Nicht in allen Unternehmen ist die Lohnschere so gross. Bei Coop zum Beispiel sind die Unterschiede vom kleinsten zum grössten Salär mit 1:12 vergleichsweise klein. Und auf nächstes Jahr erhöht Coop die Lohnsumme so, dass besonders Angestellte mit kleinem Einkommen profitieren. Dass aber in vielen Unternehmen vor allem die Manager von Lohnerhöhungen profitieren, findet Wirtschaftsprofessor Frey schädlich: "Wenn Angestellte sehen, dass einige für einen ähnlichen Einsatz soviel mehr verdienen, verlieren sie einen Teil der Arbeitsmoral. Und das ist für die ganze Wirtschaft und Gesellschaft ungünstig."