Multicheck: Testresultate sind doch einsehbar

Im «Espresso»-Bericht zur Eignungsanalyse für Jugendliche auf Lehrstellensuche hat sich ein Vater beklagt, dass er die Testresultate des Sohnes nicht einsehen kann. Verantwortliche von Multicheck wollten weder schriftlich noch telefonisch Stellung nehmen. Nun redet Multicheck-Chef Adrian Krebs doch.

30 000 Mal pro Jahr wird die Eignungsanalyse der Firma Multicheck von Jugendlichen gelöst. Denn viele Lehrbetriebe verlangen den Multicheck-Test im Bewerbungsdossier zwingend.

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Was sind Eignungsanalysen?

Multicheck ist der Marktführer unter den privaten Anbietern von Eignungstests. Weitere Anbieter sind Basic-Check oder Kompass, auch sie sind kostenpflichtig. Die Standort-Bestimmung Stellwerk wird im Unterricht der Oberstufe angewendet und ist für Schüler gratis.

Weil ein Jugendlicher aus dem Kanton Zürich auch bei der zweiten Eignungsanalyse von Multicheck einen Abschiffer produziert hatte, wollte der Vater genauer wissen, woran es gelegen hat. Schliesslich bezahlte er je 100 Franken für den vierstündigen Test. Er erhielt am Telefon von der Firma Multicheck in Bern dann die Auskunft, dass es dafür keine Möglichkeit gebe. Sein Sohn erhielt zwar die Gesamtbeurteilung und die Beurteilung der einzelnen Testgebiete schriftlich, darüber hinaus sei es aber nicht möglich, in die Testauswertung Einblick zu erhalten.

Wer vorbeikomme, könne sehr wohl Einblick erhalten

Nach Ausstrahlung des ersten Berichts war nun der Geschäftsführer der Firma Multicheck bereit, mit «Espresso» am Telefon zu sprechen. Zum Vorwurf der Intransparenz sagt Adrian Krebs: «Wer diesen Test anschauen möchte, hat grundsätzlich die Möglichkeit, bei uns diese Ergebnisse einzusehen. Er sieht die Antworten des Jugendlichen und die richtigen Antworten daneben. Allerdings muss man wirklich zu uns kommen, weil wir diese Testresultat nicht herumschicken wollen.»

Offenbar hat der betroffene Vater damals eine falsche Information erhalten. Ein Missverständnis. Wie bei anderen Eignungsanalysen ist es also auch bei Multicheck möglich, das Resultat im Detail einzusehen.

«Diese Tests sind abhängig von der Tagesform und zeigen keine Entwicklung des Jugendlichen»

Im ersten «Espresso»-Bericht haben ein Vertreter des KV Schweiz und ein Vertreter des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz an Multicheck unter anderem kritisiert, dass dieser sehr tagesformabhängig sei und so den Jugendlichen nicht gerecht werde. Dieselbe Kritik geht auch an andere Tests dieser Art.

Adrian Krebs, Geschäftsführer von Multicheck sagt zu diesem Vorwurf: «Eine Multicheck-Eignungsanalyse ist wie jede Prüfung von einer gewissen Tagesform abhängig. Deshalb dürfen die Jugendlichen, falls sie einen schlechten Tag hatten, die Multicheck-Eignungsanalyse noch ein zweites Mal absolvieren.» Kostet dann aber noch einmal 100 Franken, und die Wiederholung wird beim Testresultat vermerkt.

Es fehlen Grundlagen für die Qualitätskontrolle bei Multicheck

Eine Kommission der Erziehungsdirektoren-Konferenz EDK überprüft regelmässig solche Tests, welche Jugendliche auf Lehrstellensuche absolvieren müssen. Sie bewerten diese auf ihre Wissenschaftlichkeit und auf die Güte der Aussagekraft. Die Gesamtbewertung zum Multicheck-Eignungstest fällt im Gegensatz zu ähnlichen Tests kritisch aus.

Die Fachkommission Beratung und Diagnostik, welche zum Schweizerischen Dienstleistungszentrum Berufsbildung SDBB der EDK gehört, schreibt dazu: «Es können zwar Aussagen dazu gemacht werden, ob die schulischen und intellektuellen Anforderungen gemäss Multicheck erfüllt sind oder nicht, und wie der Arbeitsstil bei der Testdurchführung ausgefallen ist. Die Hintergründe und damit die Güte der Aussagen bleiben jedoch unklar.»

Dazu Adrian Krebs von der Firma Multicheck: «Es erstaunt uns nicht im Geringsten, dass das SDBB unser Verfahren nicht kennt. Um Klarheit zu bekommen, muss man sich schon intensiv mit einem Verfahren beschäftigen. Genauso wie das die zahlreichen Ausbildungsverantwortlichen in unserem Land tun, die sich regelmässig über unser Instrument informieren, an unseren Seminaren oder Workshops oder sogar an einem Testtag teilnehmen.»

Welche Firmen verlangen den Multicheck-Eignungstest?

UBS:
«Der Multi-Check muss mit der Bewerbung eingereicht werden. Andere Tests werden nicht akzeptiert. Die Kosten dafür werden im Falle einer Einstellung rückerstattet.»
Kantonale
Verwaltung Zürich:
«Von kaufmännisch Lernenden und bei den IT-Berufen wird ein Multicheck nicht verlangt. Darum werden auch keine Kosten
rückvergütet. In der kaufmännischen Berufsbildung werden in der Regel ungefragt zwei Tests eingereicht, der Multicheck und der Stellwerktest. Für den Entscheid zur Anstellung spielen diese Tests eine geringe Rolle, da das HR einen eigenen
Test sowie ein Vorstellungsgespräch durchführt. Bei den Informatikern wird für die Ausbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) in der Ausschreibung mindestens einer der beiden Tests verlangt. Bei den Informatikern mit eidgenössichem Berufsattest (EBA) wird kein Test verlangt.»
Inselspital
Bern:
«Für die Berufe Fachmann/Fachfrau Gesundheit und Kaufmann/frau wird ein Multicheck verlangt. Für handwerkliche Berufe (z.B.
Koch, Bäckerin, Fachfrau Kinderbetreuung, Logistiker etc.) als Entscheidungshilfe eher ein Schnuppertag. Die Kosten für Tests werden nicht von uns getragen.»
Credit
Suisse:
«Die Multicheck-Eignungsanalyse Kauffrau/Kaufmann ziehen wir seit vielen Jahren zur Beurteilung der Bewerbung bei. Er dient uns in Ergänzung zum Oberstufen-Schulzeugnis als Grundlage zur Prüfung, ob sich ein Jugendlicher für den Beruf eignet. Allen Lernenden, welche wir anstellen, bezahlen wir die Testgebühren nach Lehrbeginn zurück. Der Stellwerk-Test dient als Orientierungshilfe für die Schüler selbst. Wenn er der Bewerbung beiliegt schauen wir ihn uns an und entnehmen ihm auch Präferenz für z.B. Sprache oder Mathematik. Wir fordern ihn aber nicht ein. Andere Eignungstests nutzen wir nicht.»
Unispital
Basel:
«Multicheck-Tests werden bei uns nicht flächendeckend eingefordert, jedoch bei Lehrstellen (vor allem bei den 3-jährigen) vereinzelt verlangt. Der Test dient uns, wenn Zeugnisnoten nicht so gut sind. Wir akzeptieren andere Tests, wenn diese mit der Bewerbung mitgeschickt werden. Die Auszubildenden müssen den Test selbst bezahlen.»
Migros: «Die Migros-Genossenschaften Aare, Genf und Neuchâtel-Fribourg verlangen den Multicheck nicht explizit. Die anderen Genossenschaften und Unternehmen der Migros-Gruppe möchten einen Test als Bestandteil der Bewerbungsunterlagen. Es kann auch der Stellwerktest sein.»
Coop: «Coop erwartet in den Bewerbungsunterlagen der Jugendlichen einen Eignungstest (z. B. Multicheck, Stellwerk Jobskills, Basic Check oder ähnliche).»
Die
Post:
«Die Post verlangt für eine Bewerbung einen Multicheck oder Basic Check-Test. Sie übernimmt die Kosten nicht.»
Flughafen
Zürich AG:
«Die Flughafen Zürich AG verlangt von den Lehrstellensuchenden einen Multicheck-Test. Sie müssen ihn selber bezahlen.»
SBB:«Die SBB hat einen eigenen Test für die Ausbildungen im öffentlichen Verkehr entwickelt. Er enthält verbale und numerische Aufgaben und Tests zu räumlichem Vorstellungsvermögen. Eine Testvorbereitung ist nicht möglich.»
Swisscom: «Die Swisscom nutzt ganz bewusst keinen dieser Tests. Wir setzen die Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden ins Zentrum. Aus
diesem Grund möchten wir möglichst viele Schüler im Bewerbungsprozess persönlich kennen lernen. Seit August 2015 setzen wir in der Rekrutierung Video-Interviews als Abschluss der Grobselektion ein. Mit den rund 600 bisher durchgeführten Videointerviews haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht.»