Hundetrainer lässt seine Kunden sitzen

Seit mehreren Jahren lässt sich ein Hundetrainer im Kanton Zürich jeweils mehrere Lektionen von den Kunden im Voraus bezahlen – um die Lektionen dann ständig abzusagen und zu verschieben. Gegenüber «Espresso» sagen ehemalige Kunden, sie seien um mehrere Stunden geprellt worden.

Die Geschichte macht stutzig: Fachlich sei Hundetrainer Daniel Schnell aus Berg am Irchel top. «Ich war begeistert», sagen mehrere ehemalige Kundinnen unisono. «Der Mann versteht etwas von Hunden», «er machte einen sehr kompetenten Eindruck», «er ist sehr gut». Und trotzdem sind all diese Kundinnen von Daniel Schnell enttäuscht.

Immer die gleichen Ausreden

Die Geschichten, welche die ehemaligen Kundinnen dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 erzählen, gleichen sich: Wegen eines Problems mit dem eigenen Hund suchen sie sich einen Hundetrainer und gelangen dann meist auf Empfehlung zu Daniel Schnell.

Zunächst läuft alles nach Plan: Im Voraus werden rund 500 Franken bezahlt für zehn Lektionen. Die Begeisterung nach den ersten Lektionen ist gross – der Hundetrainer macht seinen Job hervorragend.

Dann jedoch beginnt Daniel Schnell, die Lektionen abzusagen. Eine Kundin schildert es so: «Angefangen hat es mit einem Autounfall. Danach war es zu heiss, dann hat er ein Reh angefahren, sich den Fuss verletzt oder er hat abgesagt, weil es regnete.»

Eine weitere Kundin meint: «Irgendwann hatte er einen Hexenschuss, das nächste Mal streikte seine Autobatterie, er hatte Schmerzen in der Gallenblase.» Weitere Absagen gab es wegen Stau, weil die Freundin oder die Schwiegereltern krank waren oder wegen Terminen im Tierspital oder beim Tierarzt.

Plötzlich ist er nicht mehr erreichbar

Nur wenige Kundinnen hatten die Geduld, die bezahlten Lektionen tatsächlich bis zum Ende durchzuziehen. Viele geben an, es hätte ihnen irgendwann gereicht. Sie liessen Daniel Schnell wissen, dass sie unter diesen Umständen nicht bereit seien, weiter mit ihm zusammen zu arbeiten. Zum Teil bestätigte er sogar noch, er würde das Geld für die nicht abgehaltenen Lektionen per Überweisung zurückbezahlen. Das Geld kommt jedoch nie an.

Nüchtern erzählt eine Kundin: «Ich habe noch mehrmals versucht, ihn anzurufen – er nahm sein Handy nicht mehr ab. Und auf SMS reagierte er auch nicht mehr.»

Kurse für Kanton Zürich nicht ausreichend

Besonders ärgerlich: Daniel Schnell bietet auch Kurse an, welche Hundehalter obligatorisch mit ihren Hunden besuchen müssen. Dabei erfüllen Schnells Kurse zwar die Mindestanforderungen gemäss Bundesrecht. Obligatorische Hundekurse nach dem strengeren, kantonalen Gesetz darf er jedoch nicht anbieten – dazu fehlt ihm die Bewilligung des Zürcher Veterinäramts Zürich.

Dort heisst es auf Anfrage, es liege in der Verantwortung der Hundehalter, abzuklären, ob ein Hundetrainer über die Bewilligung des Kantons verfüge.

Keine Stellungnahme

«Espresso» hat Daniel Schnell am Mittwoch, 11. Februar, erstmals mit den Vorwürfen konfrontiert und ihn seither über verschiedene Kanäle mehrmals um eine Stellungnahme gebeten. Er teilt jedoch mit, ihm sei eine Stellungnahme nicht möglich, da er nicht wisse, um welche Personen es sich handle. «Espresso» hatte ihm allerdings drei konkrete Fälle genannt.

Was das Obligatorium bringt

Wer einen Hund kauft, muss seit ein paar Jahren einen Theorie- und Praxiskurs besuchen. Sonst droht eine Busse. Doch viele Hundebesitzer finden das Obligatorium nicht nur sinnvoll: Was nützt die Hundeschule bei älteren Hunden und erfahrenen Haltern? Und was bringt ein vierstündiger Kurs? Ein Experte gab im «Kassensturz» vom 07.09.2010 die Antworten dazu.

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Experte Heinrich Binder im Studio-Gespräch

7:16 min, aus Kassensturz vom 7.9.2010