Katze attackiert Kinder: Polizei schaut zu

Auf dem Schulweg fällt ein Kater ein achtjähriges Mädchen grundlos an. Er beisst es ins Auge und verletzt es schwer. Als die Eltern Anzeige erstatten wollen, weist sie die Polizei ab. Das Tier hält sich weiterhin auf dem Pausenplatz auf.

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Katze attackiert Kinder: Polizei schaut zu

6:02 min, aus Kassensturz vom 18.2.2014

Auf dem obersten Tritt der Treppe zum Schulhaus sass ein Kater. Als er die achtjährige Samira Sutter erblickte, sprang er ihr ins Gesicht. Krallte sich am Kopf von Samira fest und biss sie ins Auge.

Um ein Haar erblindet

Durch ein Loch lief die Iris aus. Samira musste notfallmässig operiert werden. Die Gefahr war gross, dass sie auf dem verletzten Auge erblindet. «Das ist eine schwere Verletzung», sagt Augenarzt Mathias Miller. «Das Auge war offen die Infektionsgefahr sehr hoch.» Die Ärzte nähten das Auge mit fünf Stichen und verabreichten Samira Antibiotika. Intravenös und direkt ins Auge gespritzt.

Samiras Mutter Patricia Sutter erinnert sich: «Der operierende Arzt hat erklärt, dass der Eingriff sehr gut verlaufen sei.» Doch die Chance, dass Samira auf diesem Auge wieder sehen könne, betrage fünfzig Prozent.

«Die Katze ist normal»

Ein Augenarzt untersucht das Auge eines kleinen Mädchens. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Samira musste viele unangenehme Behandlungen über sich ergehen lassen. SRF

Das Tier streunt häufig auf dem Schulhausareal. Nach dem Angriff auf Samira informiert die Schulleitung die Besitzer. Der Kater habe bereits zuvor Kinder gekratzt und gebissen. Die Besitzer wollen keine Stellung nehmen und verweisen auf ihren Tierarzt. Christoph Rüedi hat den Kater einige Tage nach dem Angriff untersucht. Rüedi betont, es handle sich um eine «normale Hauskatze», die keine Merkmale von Aggression oder Ängstlichkeit zeige. «Solche Katzen zeigen solche Extremverhalten nur äusserst selten.»

Doch dieser Kater hatte das Kind ohne Grund angegriffen. Deshalb versuchten Samiras Eltern viermal telefonisch bei verschiedenen Polizeiposten Anzeige zu erstatten. Sie wollten, dass der Kater keinen weiteren Kindern Schaden zufügen kann. Doch sie blitzten ab. «Wir sind jedes Mal abgewiesen worden mit der Aussage: Eine Katze sei nicht erziehbar, deshalb könne man keine Anzeige machen», sagt Patricia Sutter.

Rechtsexperte kritisiert das Vorgehen der Polizei

Strafrechtsprofessor Christof Riedo kritisiert das Verhalten der Polizei massiv. Sie müsste den Kater sofort aus dem Verkehr ziehen bis gewährleistet sei, dass so etwas nicht mehr passiere. «Sie muss ermitteln, ob der Tierhalter fahrlässig gehandelt hat, im Wissen dass dieses Tier gefährlich ist».

Erst als «Kassensturz» die Kantonspolizei Fribourg mit dem Fall konfrontiert, nimmt sich die Polizei des Falles an. «Das lief nicht korrekt. Wir hätten von Anfang an Ermittlungen führen müssen», sagt Polizeichef Gallus Risse.

Fast drei Monate später ist die Katze in einen anderen Kanton umquartiert worden. Samira Sutter wird wegen dem Biss ins Auge ihr Leben lang eine Brille brauchen.