Zum Inhalt springen

Familie und Freizeit Putzfrauenvermittlung: Ein schmutziges Geschäft

Putzfrauenvermittlungen sind praktisch und erledigen für die Kunden die Abrechnungen. Doch nicht alle arbeiten sauber. «Kassensturz» zeigt: Eine Putzfrauenvermittlung hält monatelang ihre Putzfrauen hin und zahlt diesen den Lohn nicht, obwohl die Kunden die Rechnungen fristgerecht bezahlen.

Legende: Video Putzfrauenvermittlung: Ein schmutziges Geschäft abspielen. Laufzeit 15:28 Minuten.
Aus Kassensturz vom 02.04.2013.

Eine saubere Sache zu einem fairen Preis verspricht die Internetseite der Firma «Putzfrauenvermittlung». Der Kunde bestimmt, wann und wie oft geputzt wird und zahlt der Vermittlung. Die Firma vermittelt eine Putzfrau, bezahlt deren Löhne und Sozialleistungen. Die «Putzfrauenvermittlung» bietet in der ganzen Schweiz ihre Dienste an und hat mehrere Filialen.

Putzfrauen ohne Lohn

Die Filiale der Stadt Zürich zahlt die Löhne nicht. Dies stellte Kunde Tobias Schär aus Zürich fest. Er hatte einen Vertrag mit der «Putzfrauenvermittlung Stadt Zürich». Für die Reinigung seiner Wohnung bezahlte der Architekt 38 Franken pro Stunde. Doch seine Putzfrau sah von diesem Geld nichts. «Sie sagte mir, dass sie seit mehr als sechs Monaten auf ihren Lohn warte», erzählt Tobias Schär «Kassensturz». Für ihn absolut unverständlich, denn er bezahlt seine Rechnungen immer pünktlich. «Ich finde es eine absolute Frechheit, dass man genau die Schwächsten ausnutzt, die sich nicht wehren können.»

Marilene Altuncevahir ist eine von vielen, die auf ihr Geld wartet. Sie arbeitete bis vor kurzem für die «Putzfrauenvermittlung Stadt Zürich». Im Stundenlohn reinigte sie mehrere private Wohnungen. Von den 38 Franken, die der Kunde bezahlt, hätte die Brasilianerin netto 18.45 Franken erhalten sollen. Doch bis heute wartet sie auf ihren Lohn. Die Putzfrauenvermittlung schuldet ihr rund 2000 Franken. Mehrmals fragte sie bei der Zürcher Putzfrauenvermittlung nach ihrem Lohn, ging persönlich bei der Filiale vorbei. Doch die Mitarbeiter vertrösten die 36-Jährige immer von neuem. Marliene Altuncevahir sei auf das Geld angewiesen sagt die Mutter: «Ich habe viele offene Rechnungen und das ist nicht gut. Aber ich kann leider nichts machen.»

Über 40 Putzfrauen betroffen

«Kassensturz» kennt viele betroffene Frauen. Monatelang werden sie hingehalten. Monat für Monat erhalten die Frauen zwar eine exakte Lohnabrechnung, doch den Lohn zahlt die «Putzfrauenvermittlung Stadt Zürich» nie. Aus Angst keine neue Stelle zu finden arbeiten die Frauen trotzdem weiter. Ein schmutziges Geschäft, auf Kosten der Ärmsten.

Die «Putzfrauenvermittlung» steht seit Jahren in der Kritik. Die Vorwürfe in den Medien sind immer dieselben: Unsaubere Methoden, weil sie ihren Angestellten Löhne nicht überweise und auch AHV-Beiträge über Jahre nicht einzahle.

Seit letztem Sommer haben sich über 40 Putzfrauen bei Jürg Stadelmann von der Gewerkschaft Syna gemeldet. Er sagt, dass die Frauen sich schlecht wehren können und oftmals nicht mehr weiter wissen: «Sie setzen sich hin und weinen nur noch weil sie nicht mehr können. Weil sie zwei kleine Kinder zu Hause haben, der Kühlschrank leer ist und der Mann keinen Job hat.»

Neue Firma, alte Masche

Bis Ende 2011 war die «Putzfrauenvermittlung» eine AG. Diese ging Pleite. Dann entstanden mehrere GmbHs im Franchisesystem. Inzwischen ist die Zürcher GmbH ebenfalls in Konkurs gegangen. Hinter diesen Firmen steht gemäss Handelsregister des Kantons Zürich immer derselbe Mann: Marco Gloor. Der Auszug aus dem Betreibungsregister zeigt: Allein die in Konkurs gegangene GmbH hat Schulden von fast einer halben Million Franken. Es sind ausstehende Löhne von Putzfrauen, Sozialversicherungsbeiträge oder Steuern.

Trotz Konkursen geht es weiter. An einem neuen Standort in Zürich hat kürzlich eine neue GmbH ihre Büroräumlichkeiten bezogen. Die Filiale heisst nun «Putzfrauenvermittlung City GmbH».

Gewerkschaft: Konkurs mit  System

Gewerkschafter Jürg Stadelmann dachte zuerst, die «Putzfrauenvermittlung» sei eine Firma mit Liquiditätsproblemen. Doch irgendwann stellte er fest: «Das Ganze hat System. Wir schauten uns die Leute genauer an und sahen, dass es erfahrene Hasen sind, die wissen wie man eine Firma an die Wand fährt und kurzerhand wieder eine neue Firma eröffnet.»

Legende: Video Studiogespräch mit Marco Gloor, Geschäftsführer Putzfrauenvermittlung Stadt Zürich GmbH abspielen. Laufzeit 07:12 Minuten.
Aus Kassensturz vom 02.04.2013.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Linder Karin, Grabs
    Ich bin seit einiger Zeit bei der Haushaltshilfen24 GmbH. Bin ausgesprochen zu Frieden.Wir haben ein total transparentes Zahl-und Lohnwesen und sind erst noch die günstigsten in der Schweiz!!!! Der Lohn ist SPÄTESTENS 3 Tage nach der Abrechnung auf unserem Konto!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Michael Brunner, Anemonenweg 10 4665 Oftringen
    Hallo Herr Gloor warum geben Sie nicht ein teil Ihres vermögens den Angestellten zurück Sie haben ja genug davon 10,2 Milionen, komisch das Sie da eine firma nach dem andern gründen und wenn sie genug ausgebeutet haben sind sie wider bleite!! Warum schaut da die Statd Zürich zu ?? sind die blind? Sie schaden der Wirtschaft und dem Kanton Zürich!! Ich finde man sollte Sie hinter Gitter bringen!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Luca, Mondelli
    Es ist grundsätzlich an der Zeit, die Rechtsformen AG und GmbH zu hinterfragen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen