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Geld Bankiervereinigung nimmt Stellung zu Retrozessionen

Jahrelang haben Banken versteckte Provisionen eingesackt, wenn sie ihrer Kundschaft Anlagefonds verkauft haben. Das Bundesgericht hat entschieden: Dieses Geld gehört den Kunden. Im Exklusiv-Interview mit «Espresso» nimmt die Bankiervereinigung Stellung.

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Legende: Keystone

Es geht um sogenannte Retrozessionen. So werden diese Provisionen in der Fachsprache genannt. Eine Provision, die eine Bank von der Fondsgesellschaft erhält, wenn sie einen Kunden zur Beteiligung an einem Fonds überzeugen kann.

Bis zu einem Prozent der investierten Summe fliesst so an die Bank. Viele Kleinanleger haben unterdessen versucht, dieses Geld von der Bank zu erhalten - ohne Erfolg! Die Banken interpretieren das Gerichtsurteil zu ihren eigenen Gunsten und wollen nur Vermögensverwaltungskunden das Geld zurückerstatten.

«Ich bin enttäuscht»

Auch Hanspeter Schoop aus Flüh im Kanton Solothurn gehört zu den Geprellten: «Ich bin enttäuscht und frustriert, dass man den Kunden nicht das zugesteht, was man nach normalem Rechtsempfinden erwarten würde.»

Auch verschiedene Bankenrechtsexperten kritisieren das Verhalten der Banken scharf. Aber wahrscheinlich brauche es noch einmal einen Musterprozess bis vor Bundesgericht, damit auch die Kleinanleger zu ihrem Recht kommen, meint zum Beispiel Rechtsprofessorin Susan Emmenegger von der Universität Bern.

Bankiervereinigung: Nur bedingt Verständnis für Kundenärger

Christoph Winzeler von der Bankiervereinigung kann die Kleinanleger nur bedingt verstehen. Seiner Meinung nach ist das Bundesgerichtsurteil in der Öffentlichkeit falsch dargestellt worden. Eine präzise Auslegung zeige in der Tat, dass die Banken nur in Bezug auf Vermögensverwaltungskunden über die Bücher müssten.  

Dass eine Bank grundsätzlich bekannt geben müsse, wie viel Provision sie beim Verkauf eines Produkts für sich verdient, lehnt Winzeler gegenüber «Espresso» ab: «Das ist die Marge der Bank und ist Teil des Geschäftsgeheimnis, das muss man nicht offenlegen.»

Vergleichbar sei da ein Autokauf, bei dem der Kunde auch nicht im Detail wisse, was der Verkäufer allenfalls noch von  Zulieferern erhalte.

7 Kommentare

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  • Kommentar von ehemaliger Banker, Widen
    Hr. Winzeler ist Vertreter der Banken. Als PD RA Dr. iur., LL.M. weiss er aber auch, dass nur die grammatische Auslegung des Bundesgerichtsentscheids (BGE) nicht hilft, den objektivierten Willen des Gerichts festzustellen. Auch die anderen 3 klassischen Auslegungsmethoden sind anzuwenden, insbeso. die teleologische. Sinn und Zweck des BGE ist zweifellos, durch den Wegfall des falschen Anreizes Retro, die ev. bewussten Fehlberatungen zu minimieren - auch bei Kunden ohne Verwaltungsauftrag -logo!
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  • Kommentar von ehemaliger Banker, Widen
    Grundsätzlich löst jede Produktprovisionierung beim Vertriebsmitarbeiter (sei es in der Bank, Versicherung, im Haushaltgeschäft etc.) einen Interessenkonflikt aus.Soll das eigene Wohl oder dasjenige des Kunden priorisiert werden? Das ändert sich auch nicht, wenn Herr Winzeler einen Unterschied zwischen Kunden mit und ohne Verwaltungsmandat macht. Eine objektivere Beratung wird nur erfolgen, wenn Käufer und Verkäufer das gleiche Ziel verfolgen: z.B. langfristiger Kunden-Nutzen-Zuwachs!
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  • Kommentar von Lauber Alain, Bretzwil
    Mich wundert es immer wieder, wie stark der Glauben an die "seriöse Beratung der Banken" immer noch da ist. Das Anlagefondsgeschäft, nicht einmal wegen den Retros, ist das beste Geschäft - für die Banken. Schaut doch einmal z.B. bei gemischten Anlagefonds das T.E:R an. Das sind die Kosten, die jedes Jahr anfallen!! Diese belasten auch den Obligationenteil, der deshalb praktisch nichts abwirft. Weil Anlagefonds aber so "BEQUEM" sind, lassen sich das die Anleger einfach gefallen. Unglaublich!
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