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Geld Säule 3a: Schikane für ältere Sparer

Wer älter ist als 59, darf mit seinem 3a-Vorsorgekonto nicht mehr die Bank wechseln. So diskriminieren einige Banken ältere Kunden. Sie berufen sich auf Empfehlungen der Steuerbehörden. «Kassensturz» über eine unsinnige Praxis. Dazu Tipps zum effizienten 3a-Sparen.

Legende: Video Willkür bei der Säule 3a: Schikane für ältere Sparer abspielen. Laufzeit 05:58 Minuten.
Aus Kassensturz vom 25.03.2014.

«Kassensturz»-Zuschauer Ernst Wunderli aus Hittnau kennt sich aus beim Vorsorge-Sparen in der Säule 3A. Er weiss, dass es sich lohnt, die Zinsen der verschiedenen Banken zu beobachten und von Zeit zu Zeit das Vorsorgegeld aus der dritten Säule auf ein anderes Konto zu transferieren. Auch heute sind die Unterschiede beträchtlich (siehe Tabelle unten).

Banken diskriminieren ältere Sparer

Ernst Wunderli wollte sein Säule-3a-Konto von der Credit Suisse zur Migros Bank verlegen, denn dort bekommt er mehr Zins. Doch die Migros-Bank blockt: Ein Konto-Transfer sei bei Frauen ab 59 und bei Männern ab 60 nicht mehr möglich. Das ärgert ihn: «Das ist unverständlich, dass man ein 3a-Säulenkonto nicht soll frei transferieren können und den Zinsvorteil ausnutzen.»

Vorsorge-Experte Florian Schubiger von Vermögenspartner AG stellte in den vergangenen Monaten fest: Immer mehr ältere Kunden wurden von ihrer Bank ohne Begründung am Transfer von Säule-3a-Geldern gehindert. Dies sei absolut stossend, denn «das Recht, um ein Konto zu wechseln müsste, egal wie alt man ist, jeder haben».

Transfer: Banken handeln unteschiedlich

«Kassensturz» fragt bei Schweizer Banken nach. Die Umfrage zeigt: die Schweizer Banken verhalten sich uneinheitlich: Mehr als die Hälfte erlaubt einen Wechsel - unabhängig vom Alter.

30 Banken im Vergleich.
Legende: 30 Banken im Vergleich (Stand: 25.3.14). SRF

Daneben gibt es aber Banken, die ältere Säule-3a-Sparer benachteiligen: Die Berner Kantonalbank verweigert nur die Annahme von 3a-Geldern, ist aber bereit, Säule-3a-Gelder auf eine andere Bank zu transferieren.

Noch unentschieden ist die Thurgauer Kantonalbank. In beide Richtungen ausgeschlossen ist ein Transfer ab 59 bei Credit Suisse, der ZKB, der Migros-Bank, sowie bei den Kantonalbanken von Uri, Aargau, Zug und Schwyz. Sie alle berufen sich auf eine neue Regelung der Steuerbehörden.

Die Eidgenössische Steuerverwaltung möchte nicht vor der Kamera Stellung nehmen. Die Behörde argumentiert: Ihre Auslegung der entsprechenden Verordnung lasse nur den Schluss zu, dass Transfers ab 59 rsp. 60 nicht mehr möglich seien. Dann müsse das Säule-3a-Kapital bezogen und versteuert werden.

Motion verlangt Änderung des Gesetzes

Nationalrat Thomas Weibel (GLP) kritisiert die Haltung der Steuerbehörden. Mit einem politischen Vorstoss verlangt er eine Korrektur der entsprechenden Verordnung. Weibel sagt, diese Regelung widerspreche dem Willen des Gesetzgebers, und: «Als Konsument stört mich, dass meine Freiheit genommen wird, das Geld anzulegen wo ich will. Ich werde in einem gewissen Alter diskriminiert und kann nicht mehr entscheiden, bei wem und zu welchen Konditionen meine Vorsorgegelder angelegt werden».

Der Bundesrat hat die Motion von Thomas Weibel zur Annahme empfohlen. Die Chancen stehen also gut, dass die unsinnige Hürde bald beseitigt wird.

Vergleichen lohnt sich

Abgesehen vom prinzipiellen Ärger: Beim Wechsel zu einer grosszügigeren Bank geht es auch für ältere Sparer um viel Geld. Ein Rechenbeispiel: Angenommen 100‘000 Franken sind schon in der Säule 3a, jährlich kommt der Maximalbetrag von 6739 Franken dazu.

Mit 60 Jahren wird das Geld transferiert. Der bisherige Zinssatz war 1% Prozent. Der neue Zinssatz, 1,7 %. Arbeitet der Sparer bis 68 und löst erst dann sein Säule-3a-Konto auf, ist der Gewinn aufgrund der Zinsdifferenz beträchtlich: mehr als 7500 Franken.

Wie viel die Zinsunterschiede ausmachen, zeigt der Zinsrechner (siehe Link).

Säule 3a-Zinssätze

Experten-Chat

Experten-Chat

Fragen aus dem Publikum zur Altersvorsorge mit der 3. Säule haben zwei Anlageexperten im Live-Chat beantwortet. Das Protokoll

Aktualität

Dieser Artikel basiert auf Fakten vom 25.3.14. Es ist möglich, dass einzelne Banken ihre Transfer-Praxis seither geändert haben.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Clemens Müller, Neuhaus
    Derzeit ist ein ortsansässiger erfahrener, korrekter Versicherungsagent gerade wieder daran, zwei junge Personen aus solchen 3a Policen zu befreien. Es ist bar jeder Vernunft, dass Vorsorger nicht besser geschützt werden. Seit Januar 2013 habe ich mit viel Einsatz versucht etwas zu bewirken. Über die Presse, das zuständige Departement des Innern, FINMA, Politik, Versicherungsverband. Ich bin bisher an eine unglaubliche Wand an Ignoranz und Gleichgültigkeit gestossen. Facebook Finanzinfos Neuhaus
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  • Kommentar von Clemens Müller, Neuhaus
    Es ist ein seit vielen Jahren erprobtes System eines früheren Finanz Dienstleisters, das unzählige Personen in die 3a Versicherungsfalle tappen lässt. Besonders bedenklich: Man hat es durchwegs auf sehr junge Personen abgesehen. Scheut nicht davor zurück, absolut unpassende Policen mit bis 40-jähriger Laufzeit zu vermitteln. An statt vor zu sorgen werden viele Verluste in 5-stelliger Höhe akzeptieren müssen, nur damit sie wieder aus den Verträgen heraus kommen.
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  • Kommentar von Clemens Müller, Neuhaus SG
    Seit Jahren werden 3a Versicherungsverträge von richtiggehenden Drückerkolonnen verzockt. Ziel: Absahnen von extremen Provisionen für die Vermittlung. Mehrere Versicherer sind anscheinend bereit, für einen einzigen Vertragsabschluss TAUSENDE von Franken zu bezahlen. Arglistig finden sogenannte "Finanzberater" (tatsächlich Handwerker, Studenten und dergleichen die Opfer über den Bekannten- und Verwandten Bereich bereits in die Falle getappter Personen. "Gratisberatung" gegen Adressangaben.
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