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Geld Viseca ändert Bonusprogramm ungefragt

Ungewollte Überraschung der Kreditkarten-Herausgeberin Viseca: Ihr neues Bonusprogramm Surprize bereitet vielen Kunden mehr Ärger als Freude. Besonders stossend für viele: Wer sich nicht abmeldet, macht automatisch beim neuen Bonusprogramm mit.

Kreditkarte
Legende: Viseca vertreibt verschiedene Kreditkarten. PD

Widerrechtlich ist dieser Automatismus zwar nicht: Die Viseca hat sich mit einem Passus in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) abgesichert. Dieser besagt, dass die Viseca Änderungen an den AGB vornehmen kann und ein Kunde diese akzeptiert, sofern er den Vertrag nicht kündigt, nachdem ihm die Änderungen mitgeteilt wurden.

Einen solchen Passus findet man inzwischen in den AGB vieler Unternehmen. «Espresso»-Hörerin Katja Moser kommentiert: «Dies mag rechtmässig sein. Aber rechtmässig bedeutet nicht auch richtig.»

Viseca sammelt Daten für Kundenprofile

Was Viseca-Kunden weiter stört: Für das neue Bonusprogramm sammelt das Kreditkartenunternehmen Kundendaten und ergänzt diese durch Informationen, welche es beispielsweise bei professionellen Adresshändlern kauft. Diese Daten werden dann analysiert und Kundenprofile erstellt.

Bei den gesammelten Daten handelt es sich nach Angaben von Viseca um Ort, Datum und Betrag des Einkaufs sowie den Namen des Geschäfts. Was eingekauft wurde – ob Schokolade oder Waschmittel – erfahre die Viseca nicht, sagt Unternehmenssprecherin Nadine Geissbühler.

Dieselben Daten würden übrigens bereits heute ausserhalb des Bonusprogramms erfasst. Dadurch könne die Viseca bei auffälligen Buchungen Kunden vor einem Missbrauch ihrer Kreditkarte warnen.

Angst vor Weitergabe der Kundenprofile

Neu ist, dass die Viseca diese Daten nun auch für das Bonusprogramm Surprize sammelt, analysiert und ergänzt: Aufgrund dieser Analyse erhalten die Kreditkartenkunden sogenannte personalisierte Werbung mit Angeboten von Partnerfirmen des Bonusprogramms.

Dies stösst nicht bei allen Kunden auf Gegenliebe. Gut zu wissen: Auch andere Kreditkarten-Firmen sichern sich in den AGB das Recht, die Einkaufsdaten für Kundenprofile zu analysieren.

Zudem befürchten einige Kunden, die sich bei «Espresso» gemeldet haben, dass die Viseca die detaillierten Kundenprofile an ihre Partnerfirmen weitergibt. Viseca-Sprecherin Nadine Geissbühler beteuert: «Unter keinen Umständen werden Surprize-Partner oder Prämienlieferanten mit Informationen über unsere Kunden beliefert.» Einzige Ausnahme sei die Adresse für die Lieferung einer Prämie, welche der Kunde einlöse.

Wenig vertrauenserweckend finden viele Kreditkartenbesitzer einen weiteren Passus in den AGB des neuen Bonusprogramms der Viseca. Dieser besagt, dass die Viseca auch eine Firma im Ausland mit der Durchführung des Programms beauftragen könne. Dort seien diese unter Umständen weniger gut geschützt als unter Schweizer Recht.

Die Viseca sagt dazu: Jede Firma, die mit ihr zusammenarbeite, unterschreibe, dass sie die gleich hohen Anforderungen an den Datenschutz einhalte, wie sie in der Schweiz gelten. Dieser Paragraf sei eine Absicherung für Umstände, auf die die Viseca keinen Einfluss habe. Viele Schweizer Kreditkartenunternehmen lassen übrigens bereits heute Kundendaten im Ausland bearbeiten, unabhängig von Bonusprogrammen.

Bisherige Bonusprogramme werden gestrichen

Eine Folge des neuen Bonusprogramms der Viseca ist, dass die bisherigen Programme per Ende Februar auslaufen. Davon betroffen sind die Kreditkarten der Kantonalbanken, der Raiffeisenbank, der Migros Bank, der Bank Coop und verschiedener Regionalbanken.

Für alle diese Karten und diejenigen der Viseca selber kann der Kunde auch nicht mehr durch einen bestimmten Umsatz die Kartengebühr halbieren. Bei der Standardkarte war dies bisher mit einem Umsatz von 6000 Franken möglich. Neu muss er dafür 12‘000 sogenannte Surprize-Punkte sammeln. Um damit die Kartengebühr zu halbieren, muss sich der Kunde zwingend für das Bonusprogramm registrieren.

Im dümmsten Fall braucht es für die halbe Kreditkartengebühr neu 12‘000 Franken Umsatz. Denn nur bei Supermärkten und den Surprize-Partnerfirmen wird ein Umsatzfranken doppelt, beziehungsweise vierfach gezählt.

Die Viseca verteidigt sich damit, dass ihre Kunden neu auch mit wenig Umsatz profitieren könnten: Indem sie ihre Bonuspunkte gegen Prämien eintauschen würden. Gemäss der Internetseite des Bonusprogramms ist dies beispielsweise eine elektronischer Fiebermesser oder ein Sandwich-Toaster.

32 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Corsi, In der Halde 12, 8405 Winterthur
    Ihre Surprize Methode gefällt mir nicht. War früher besser. Jetzt erhalte ich die Rechnung mit CHF 200.00 für die Jahresgebühr. Mache teilweise mehr als CHF 20'000.00 Umsatz, oder etwas darunter. Ich zahle bestimmt keine CHF 200.00, nachdem es Dutzende von Kreditkarten-Anbieter gibt, die die Karte zum Nulltarif abgeben. Ich bin schon viel zulange bei Viseca. Ich überdenke. Sie machen weltweit Milliardengewinne und verlangen noch Jahresgebühren. Gehört ins Land Absurdistan. Gruss A. Corsi
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  • Kommentar von Ernst Affolter, Merenschwand
    Auch ich hatte mich über das neue Programm geärgert. Ich mache regelmässig ziemlich viel Umsatz mit der Karte und zahlte deshalb bisher keine Kartengebühr. Deshalb habe ich gleich nach der Lancierung von Surprize der Viseca einen Brief geschrieben, wonach ich mir eine andere Kartenfirma suchen würde, wenn ich künftig für die Karte bezahlen müsse. Sehr schnell erhielt ich dann die Bestätigung, dass ich auch künftig die Karte gratis erhalten würde. Sich wehren gegen solchen Mist lohnt sich!
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  • Kommentar von Hans Baumgartner, 3422 Kirchberg
    Seit knapp 30 Jahren bin ich Kreditkarteninhaber. Sowohl der Name der Regionalbank wie der Kartengesellschaft hat sich geändert. Unverändert blieb mein grosser Jahresumsatz, weshalb die Karten gratis waren. Ich bin ausserordentlich enttäuscht über das Vorgehen der Viseca Card Services SA. Ich hoffe, dass für langjährige Kunden eine zuvorkommende Lösung gefunden wird. Andernfalls werde ich nach einer neuen Lösung suchen.
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