Zum Inhalt springen

Header

Audio
Werbesperre.ch: Alte Masche, neue Firma
Aus Espresso vom 20.08.2015.
abspielen. Laufzeit 03:49 Minuten.
Inhalt

Geld «Werbesperre.ch»: Alte Masche, neue Firma

Nach Datacom bietet nun auch noch die Geminis Marketing GmbH einen Eintrag auf einer Werbesperrliste an, für 130 Franken im Jahr. Für ihr Angebot zum Schutz vor Werbetelefonen wirbt die Firma selbst per Telefon – ohne dabei den Sterneintrag zu beachten.

Ja, Telefonwerbung nervt! Und diesen Ärger versuchen sich einige schlaue Köpfe zu Nutze zu machen. Die Firma Datacom etwa versprach ihren Kundinnen und Kunden ein Ende der lästigen Anrufe, wenn sie sich gegen Bezahlung auf eine Liste setzen liessen. Seit kurzem ist nun ein weiteres Unternehmen mit der gleichen Masche aktiv. Die Geminis Marketing GmbH verkauft ebenfalls Einträge auf einer Werbesperrliste – für 130 Franken im Jahr.

Die Firma greift dabei selbst auf jenes Mittel zurück, gegen das sie offiziell ankämpft: Werbetelefone. Und sie macht auch nicht Halt vor Nummern mit Sterneintrag. Beim Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 haben sich mehrere verärgerte Hörerinnen und Hörer gemeldet, die trotz Sterneintrag von der Geminis Marketing GmbH angerufen worden sind.

Achtung:

«Was soll daran nicht okay sein?»

Auf ihrer Internetseite «werbesperre.ch» präsentiert sich die Geminis Marketing GmbH als starke Kämpferin gegen Werbetelefone. Die Firma spricht von «Konsum-Verführungs-Terror» und «Werbewahnsinn». Sie schreibt sogar: «Ungewünschte Werbeanrufe sind auch in der Schweiz verboten (Sterneintrag, Anmerkung d. Red.). Trotzdem laufen die Drähte vieler Verbraucher heiss.»

Gerne möchte «Espresso» von der Geminis Marketing GmbH wissen, weshalb sich denn nicht einmal sie an den Sterneintrag halte. Eine Antwort gibt es nicht darauf. Vielmehr macht die wortreiche Stellungnahme von Geschäftsführer Daniele Lunario den Eindruck, als ob die Firma Telefonwerbung gar nicht so schlecht finde: «Das Telefon ist eine der günstigsten und effektivsten Verkaufsmethoden. […] Auch der Bund führt per Telefon Statistiken durch und es gibt sogar Parteien, welche per Telefon auf Stimmenfang gehen. Was soll daran nicht okay sein?»

Und weiter: «Es wäre wirtschaftlich gesehen gar nicht interessant, Telefonmarketing auf null zu bringen. Man würde damit zig KMUs in den Ruin treiben.»

Grosse Zweifel an Verbindlichkeit

Das Konzept der Geminis Marketing GmbH soll so funktionieren: Die Firma mahnt im Namen ihrer Kundinnen und Kunden andere Firmen «schriftlich per Einschreiben» ab. Ausserdem werde bei diesen Firmen die Löschung der entsprechenden Kundendaten verlangt.

Gegenüber «Espresso» äussern diverse Hörerinnen und Hörer Zweifel an diesem System. Einer bringt es so auf den Punkt: «Es gibt ja keine rechtliche Grundlage, dass irgendjemand darauf reagieren müsste. Das einzig Verbindliche wäre der Sterneintrag – aber wenn nicht einmal dieser beachtet wird, werden Werbesperrlisten von irgendwem wohl noch viel weniger beachtet.»

Diese Einschätzung teilt die Stiftung für Konsumentenschutz. Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Wir empfehlen deshalb, mit ‹werbesperre.ch› keinen Vertrag abzuschliessen.»

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

22 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Urs Stäbler  (Stab)
    Nachdem ich am 20.3.17 bereits eine letzte Mahnung über Fr. 404.60 erhalten habe und am
    2.6.18 wieder eine Mahnung über Fr. 198.05 habe ich wie folgt geantwortet:
    Nach all den ernsthaften Mail...ist es einmal eine Abwechslung mit Schachköpfen zu
    korrespondieren, welche sich statt ungerechtfertigter Inkassoandrohungen eher mit einer
    allfälligen bevorstehenden Gefängnisstrafe zu befassen...Weiterleitung an Seco, falls ich nicht innerhalb 24 Std. eine Entschuldigung erhalte.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Raphael Elmiger  (schang88)
    ich habe heute auch die folgeprämie bekommen auch wenn ich vor einem jahr eine schriftliche vertragskündigung abgegeben habe. wie kann ich hier vorgehen?
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Redaktion «Kassensturz/Espresso» (SRF)
      Guten Tag. Bezahlen Sie die Rechnung nicht und schreiben Sie der Firma, dass diese Forderung ungerechtfertigt ist, da Sie schriftlich gekündigt haben. Am besten legen Sie eine Kopie der Kündigung bei.
  • Kommentar von Tobias Schildknecht , Samstagern
    Mir wurde diese Werbesperre auch "aufgezwungen", also habe ich das mal gemacht, weil es hiess, man verplichte sich NUR für ein Jahr. Jetzt kam die Folgeprämie. Ich versuchte nun telefonisch jemanden zu erreichen. Leider ohne Erfolg. Es ist schon merkwürdig, dass gegen solch eine Verbrecherbande in der Schweiz einfach nichts unternommen wird????!!!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Christoph Küng , 3074 Muri
      Gleiches erlebt: Guten Tag Frau Schwarz - auf meinen wiederum sehr prompten Zahlungshinweis vom 12.7.16 (ich hatte Sie aufgefordert, Ihre Debitorenbuchhaltung - ist diese nun bei Ihnen in Zofingen oder bei einer Firma Geminis in Zug ... ? - zu konsultieren, weil hatte ich Ihre Rechnung über Fr. 139.30 Valuta 29.6.16 bezahlt, ja sogar Fr. 139.90, den Beleg vor mir liegend) habe ich nun von einem Inkassobüro eine "letzte Zahlungsaufforderung vor Betreibung" erhalten.