Schönheitsoperation: Arzt verunstaltet Frauen

Mit Schönheitschirurgie kassieren auch unqualifizierte Ärzte ab. Zwei Frauen sind schlimm zugerichtet worden. 12'000 Franken hat eine für die katastrophale Brustoperation bezahlt. «Kassensturz» deckt auf: Der deutsche Arzt hat weder Schweizer Arbeitsbewilligung noch Fachausbildung.

Arzt ohne Ausbildung verunstaltet Frauen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Arzt ohne Ausbildung verunstaltet Frauen Key

Für Delia Hahn ist die Arbeit im Nagelstudio eine willkommene Ablenkung, denn sie hat Schlimmes erlebt: Nach jahrelangem Zögern entschied sie sich, die Brüste verkleinern zu lassen. Ihr Leben lang hatte sie unter ihren grossen Brüsten gelitten. Sie verursachten starke Rückenschmerzen.

Doch die Operation im letzten Jahr ist misslungen. Delia Hahn fühlt sich seither verunstaltet: «Wenn ich angezogen bin, ist alles okay. Aber wenn ich mich ausziehe, dann sehe ich aus wie Frankensteins Frau», sagt sie.

Arzt: «eine Katastrophe»

Unglücklich über die missratene Brustverkleinerung vor eineinhalb Jahren sucht Delia Hahn Rat bei einem international renommierten Experten: Jan Poëll, Facharzt für plastische Chirurgie in St. Gallen. Vom ihm will sie wissen, was zu retten ist. Poëll ist über das Resultat der Operation entsetzt: Er kritisiert die stümperhafte Nahttechnik und vieles mehr. Zusammenfassend sei das «eine Katastrophe».

Die Katastrophe nahm ihren Anfang der Schweizer Praxis ihres Arztes. Dort wurde die verhängnisvolle Operation durchgeführt. Im Angebot seiner Klinik sind zahlreiche ästhetische Operationen. Dazu arbeitete er mit anderen Ärzten zusammen.

Für die Brustoperation in seiner Praxis reist Manuel Harrer an, ein Arzt aus Deutschland. Ihr Arzt. habe den deutschen Arzt sehr gerühmt. Delia Hahn: «Er hat gesagt, ich müsse mir keine Sorgen machen, es sei alles geregelt, er arbeitet mit dem Arzt schon längere Zeit zusammen.» Das Resultat der Operation: Eiternde Wunden, auch Monate nach dem Eingriff.

«Handschrift» erkannt

Auf der Webseite einer Schönheitsklinik in Berlin präsentiert sich Manuel Harrer von seiner besten Seite. Im Internetfilm stellt er eine von ihm entwickelte und angeblich schonende Lasertechnik zur Fettabsaugung vor. Manuel Harrer arbeite derzeit in London, heisst es. Der deutsche Arzt lässt die Fragen des «Kassensturz» unbeantwortet.

Auch der Arzt von Delia Hahn wollte vor der Kamera nichts sagen. Er schreibt: «Wir haben den Operationskatalog von Harrer geprüft und zahlreiche seiner Resultate gesehen, unter anderem auch sehr viele schöne Beispiele von kosmetischen Brustoperationen.»

«Kassensturz»-Recherchen in Hannover ergeben allerdings ein ganz anderes Bild: Bei der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft der plastischen und ästhetischen Chirurgen befindet sich unter den rund 700 anwesenden Fachärzten auch Professorin Marita Eisenmann. Sie erkennt Harrers Handschrift auf den ersten Blick. Nur wenige Tage zuvor musste sie eine missratene Operation von Harrer korrigieren. Eisenmann erzählt, dass Harrer nach seinem Studium eine Weiterbildung zum Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie begonnen hat. «Meine damalige Oberärztin und ich sind dann aber zum Schluss gekommen, dass er sich für dieses Fachgebiet nicht eignet.»

Kein Bewilligungsantrag

In Deutschland füllt Manuel Harrer schon ganze Ordner mit Negativschlagzeilen. Er stand mehrfach vor Gericht und wurde verurteilt. Marita Eisenmann war an einigen dieser Prozesse als Sachverständige geladen. Von all dem wusste Delia Hahn nichts. Für Sie ist es ein schwieriger Moment in der Praxis von Jan Poëll. Ihr wird klar: Leicht lassen sich diese gravierenden Fehler nicht korrigieren.

Delia Hahn ist nicht die einzige Patientin mit verunstalteten Brüsten. Manuel Harrer operierte gleichentags auch Frau S. Sie will anonym bleiben. Auch ihren Eingriff verpfuschte der deutsche Arzt: Ein ganzes Jahr lang heilten die eitrigen Wunden nicht und die Nähte platzten immer wieder auf. Jan Poëll's Urteil eineinhalb Jahre nach dieser Operation: «Die Brust ist runtergerutscht. Hier wurde alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.»

Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich hat inzwischen ein Verfahren eingeleitet. Informationschef Urs Rüegg sagt, jeder Arzt, der in Zürich operieren wolle, brauche eine Berufsausübungsbewilligung. Manuel Harrer hat jedoch nie eine solche Bewilligung beantragt. Rüegg: «Im Kanton Zürich hätte er unter diesen Umständen nicht operieren dürfen.»

Bar auf die Hand bezahlt

Delia Hahn hat ihrem Arzt 12'000 Franken bar auf die Hand bezahlt – auf eine offizielle Rechnung wartet sie noch heute. Von ihrem Arzt ist sie enttäuscht. Sie hat ihm vertraut – und weiss noch nicht, ob sie den Mut aufbringt, sich noch einmal unters Messer zu legen, um ihre Brüste zu korrigieren.

Ihr Arzt schreibt «Kassensturz», die beiden Frauen seien Patientinnen von Manuel Harrer gewesen, Termine, Vorgespräche und Preise seien über Harrer gelaufen. Beide Frauen bestreiten das vehement.