Gemeinde verteilt Gutscheine gegen den Einkaufstourismus

Lokale Gewerbler versuchen viel, um Kunden im Dorf zu halten. Das ist nicht einfach, wenn Einkaufszentren und das grenznahe Ausland mit Billigangeboten locken. Eglisau versucht mit einer ungewöhnlichen Massnahme, Gegensteuer zu geben. «Espresso» klärt, wie viel eine solche Aktion wirklich bringt.

Die Gemeindeverwaltung der Gemeinde Eglisau ZH lanciert das «Eglisauer Einkaufsgeld». Einwohnerinnen und Einwohner können um 20 Prozent vergünstigte Gutscheine kaufen, die bis Ende Oktober beim lokalen Gewerbe einlösbar sind. Sie lässt sich das maximal 50 000 Franken kosten.

Das Interesse sei gross, sagt Gemeindepräsidentin Ursula Fehr in der Sendung «Espresso» von Radio SRF 1. Man rede über diese Aktion und es gehe ein spürbarer Ruck durch das Dorf.

Unterstützung erwünscht

Auch Kaffeeladenbesitzer Stefan Forrer begrüsst die ungewöhnliche Aktion. Er habe auch keine Mühe damit, dass die Gemeinde sich hier für etwas engagiere, das eigentlich nicht ihre Aufgabe sei. «Zalando hat auch Millionen von Steuerfranken vom Deutschen Staat erhalten», lacht er. Es sei äusserst lobenswert, wenn eine Gemeinde einmal wirklich etwas unternehme für die Gewerbler im Dorf.

Eine Frau steht im Städtchen Eglisau und Präsentiert zwei Einkaufsgutscheine. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ursula Fehr, Gemeindepräsidentin Eglisau und Initiantin der Gutscheinaktion «Eglisauer Einkaufsgeld». SRF

Auch für Einwohner Urs Frei ist die Eglisauer-Geld-Aktion ein Erfolg. «Ich finde es eine Lebensqualität wenn ich im Städtchen umherspatzieren kann und dabei noch das Nötigste einkaufen kann.» Das es so etwas noch gäbe sei nicht selbstverständlich und deshalb unterstützendswürdig, meint der Konsument.

Fragliche Wirkung solcher Aktionen

Ob eine solche Aktion nachhaltig erfolgreich ist, bezweifelt Sven Reinecke. Der Direktor des Instituts für Marketing an der Universität St.Gallen sagt: «Der PR-Effekt ist sicher gross. Man redet darüber und besucht wohl auch die Geschäfte.» Wirtschaftlich nachhaltig sei so etwas aber kaum, zeigt sich der PR-Profi gegenüber «Espresso» überzeugt. Dafür sei die Aktion zu klein.

Ohnehin lasse sich der Einkaufstourismus zu den billigen Grossanbietern dadurch nicht aufhalten. Dem widersprechen die Initianten in Eglisau nicht. Ihnen gehe es darum, ein Zeichen zu setzen für die Ladenbesitzer. Schliesslich begrüsst Eglisau laufend Neuzuzüger und denen sei wohl gar nicht bewusst, dass sie viele Artikel ihres Bedarfs auch vor der eigenen Haustüre decken könnten.

Das «Eglisauer Einkaufsgeld» ist vorläufig eine einmalige Aktion. Der Gemeinderat möchte später darüber entscheiden, ob sie wiederholt wird.

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