Internet-Gauner legt Hunderte Kunden rein

Jahrelang bot ein Betrüger über nichtsahnende Zwischenhändler Waren auf Auktionsplattformen wie Ricardo und Ebay an. Dutzende Schweizer zahlten, bekamen aber nie etwas geliefert. «Kassensturz» zeigt, wie der Betrug funktionierte und wie der Gauner gefasst werden konnte.

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Internet-Gauner legt Hunderte Kunden rein

6:56 min, aus Kassensturz vom 15.3.2011

Robert Rüegg aus Hinwil wollte ein vierrädriges Motorrad, ein sogenanntes Quad, kaufen. Damit tappte der Bauer in eine Internetfalle.

Quad weg, Geld weg

Das Angebot auf ricardo.ch sah seriös aus. Name und Adresse des Quad-Anbieters waren bekannt. Rüegg zahlte im Voraus: 3380 Franken auf ein Deutsches Konto. Doch das Quad kam nie. Rüegg erstattete Anzeige bei der Polizei: «Richtig geärgert habe ich mich erst, als die Polizei mir sagte, dass das Geld wohl verloren sei.»

Mehmet Latjifi aus Buchs SG ersteigerte sich beim gleichen Anbieter ein Quad, ebenfalls auf ricardo.ch. Er zahlte 3170 Franken. «Als das Quad nicht kam, rief ich den Verkäufer an. Da sagte dieser, er habe die Quads nicht, er sei selber betrogen worden», erklärt Latijfi.

Verkäufer ist selber Opfer

Der Verkäufer wohnt in Freiburg im Breisgau. Er heisst Hermann Pfahler und hat weiteren acht Schweizern Quads verkauft, die er nicht liefern konnte. Doch das Geld seiner Kunden, insgesamt 28’000 Franken, hatte Pfahler auch nicht mehr. Er hatte es an einen gewissen Lars Scheffczik weitergeleitet.

«Ich suchte Arbeit und bewarb mich auf ein Inserat als Verkaufsagent», sagt Pfahler. Er sei kein Betrüger, sondern selber Opfer. Als Verkaufsagent sollte er im Internet für Lars Scheffczik gegen eine Provision Quads verkaufen und die Kundengelder an Scheffczik weiterleiten. Dieser sollte dann die Ware direkt an die Endkunden liefern, so die Abmachung. Scheffczik kassierte das Geld. Doch statt zu liefern, tauchte er ab.

Mehrere hunderttausend Franken Schaden

Hermann Pfahler ist nicht der einzige Verkaufsagent, der auf Scheffcziks Masche hereingefallen ist. Ricardo.ch entdeckte zwanzig weitere Konten von Zwischenhändlern mit Verbindungen zu Scheffczik. Sie boten nicht nur Quads an, sondern auch elektronische Ware und Markenkleider. Bei Ebay ist die Anzahl der Betroffenen wohl noch viel höher. Gemäss Ermittlungsbehörden beträgt der Schaden mehrere hunderttausend Franken.

Viele getäuschte Kunden erstatteten Anzeige. Jürg Vollenweider von der Staatsanwaltschaft See/Oberland ZH leitete die Schweizer Fälle nach Deutschland weiter: «Der Erfolgsort ist wohl in der Schweiz, aber die Tat ist im Ausland begangen worden, im konkreten Fall offenbar in Thailand von einem deutschen Staatsangehörigen.» Weil in Deutschland bereits mehrere Verfahren gegen Scheffczik liefen, würden alle Anzeigen dort gesammelt.

Mutmasslicher Betrüger verhaftet

Bereits seit Jahren besteht ein Haftbefehl gegen Lars Scheffczik. Der Verdacht: Er benutzte gefälschte Pässe, eröffnete zahlreiche Bankkonten, fälschte Rechnungen und handelte über Scheinfirmen.

Doch Scheffczik war abgetaucht. Wichtige Hinweise zum mutmasslichen Täter kamen von der Internetplattform outbay.ch. In diesem Forum tauschen sich Geschädigte aus. Um zu warnen, veröffentlichten sie Daten und Fotos von Lars Scheffczik und nannten seinen Aufenthaltsort: Phuket.

Schliesslich verhafteten ihn Thailändische Polizisten. Und letzte Woche ist Scheffczik nach Deutschland überführt worden. Das schöne Leben in Thailand ist für ihn erst mal vorbei. Ihm drohen in Deutschland bis zu 10 Jahren Gefängnis wegen gewerbsmässigen Betrugs. Bis es zu einer Verurteilung kommt, gilt die Unschuldsvermutung.

Die Auktionsplattform Ricardo hat aus diesem Betrugs-Fall Konsequenzen gezogen: Seit Mitte 2009 können ausländische Verkäufer nur nach eingehender Prüfung Ware auf ricardo.ch anbieten.