Anti-Call lügt Konsumenten an

Die Firma Anti-Call wirbt Kunden für ein Abo zur Blockierung von Werbeanrufen an. Sie behauptet, Anti-Call sei eine Dienstleistung von Konsumentenschutz-Organisationen. Doch das ist gelogen.

Ein Mann schreit in einen Telefonhörer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nach wie vor nerven die lästigen Werbeanrufe. Colourbox

«Zögern Sie nicht und schliessen Sie sich jetzt der neuen Bewegung gegen Werbeanrufe an.» Mit diesem Satz wirbt Anti-Call auf ihrer Homepage neue Kunden an. Dahinter stecke eine «Dienstleistung von Konsumentenschutz-Organisationen und Providern im In- und Ausland.»

Zum Beleg sind auf der Internet-Seite von Anti-Call die Logos der Westschweizer Konsumentenschutz-Organisation FRC und jenes der Lauterkeitskommission aufgeschaltet. Das sieht nach einer breiten Allianz gegen Telefonwerbung aus. Doch es ist gelogen.

Konsumenten wurden angelogen

Der Konsumentenschutz hat von Anti-Call noch gar nie gehört. Dass die Betreiberfirma Acall mit dem FRC-Logo wirbt, erfuhr Mathieu Fleury, der Geschäftsführer von FRC, von «Espresso».

Er hat sofort gehandelt: «Wir können den betrügerischen Gebrauch unseres Logos nicht akzeptieren. Wir haben Anti-Call sofort abgemahnt und die Entfernung unseres Logos verlangt.» Das hat auch die Lauterkeitskommission getan.

Anti-Call schreibt auf Anfrage, man habe die Logos sofort von seiner Homepage entfernt. Man habe das Ziel gehabt, mit Konsumentenschutz-Organisationen zusammenzuarbeiten, es aber versäumt, vorher mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

Anti-Call verwechselt zuständige Ämter

Bei Anti-Call können Kunden ein Abo für 60 Franken pro Jahr abschliessen. Dafür blockiert Anti-Call die eingehenden Anrufe, wenn sie von einem Callcenter aus kommen. Die Software siebe vor allem Anrufe von Callcentern aus dem Ausland, die mit automatischer Wähl-Software arbeiten.

Nur wird auch hier nicht sauber gearbeitet. Besonders verdächtige Nummern würden dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) gemeldet, heisst es auf der Homepage. Doch das Bakom ist gar nicht zuständig für solche Meldungen. Das wäre das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

Kunden als Versuchskaninchen

Betreiberin Anti-Call schreibt dazu, dass man erst seit einem Monat online sei, und Schwierigkeiten mit den technischen Prozessen gehabt habe. Und: «Wir hatten keine Möglichkeit, das Ganze mit reellen Kunden zu testen.» Anti-Call hat derzeit noch gar keine echten Kunden.

Auf die Intervention von «Espresso» hin hat Anti-Call die Homepage überarbeitet und die Hinweise auf den Konsumentenschutz entfernt. Konsumenten kann man nur eines raten: Wer nicht Versuchskaninchen bei einem fragwürdigen Projekt sein will, verzichtet auf ein Abo.