iPhone-Ärger: Swisscom sperrt Handys

iPhone-Kunden sind über Swisscom verärgert. Denn selbst wer für das iPhone den vollen Gerätepreis bezahlt, kann danach nur mit Swisscom telefonieren. Für andere Anbieter bleibt das Handy gesperrt, es ist sogenannt SIM-locked. «Kassensturz» über die fiesen Tricks der Telekomfirma.

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iPhone-Ärger: Swisscom sperrt Handys

5:42 min, aus Kassensturz vom 26.8.2008

Das Angebot war genau das, was Telekom-Ingenieur Andreas Fink suchte: Das iPhone 3G ohne Vertrag mit einer Telefongesellschaft. Fink zahlt 1200 Franken für das Gerät – 1000 Franken mehr als mit einem Abo-Vertrag. Er zahlt soviel, weil für ihn klar ist: Er kann das Gerät ohne Bindung an eine bestimmte Telefongesellschaft verwenden. Doch Fehlanzeige, das Telefon funktioniert nicht, seine SIM-Karte wird nicht unterstützt.

Zur Kundenbindung

Sein iPhone funktioniert nur mit einer SIM-Karte von Swisscom. Diese Sperre heisst SIM-Lock. Der Hintergrund: Apple verkauft das Gerät weltweit nur über ausgewählte Partner. In der Schweiz sind es Swisscom und Orange. Mit der Sperre wollen die Telefonanbieter Kunden an sich binden.

Gekauft hat Fink das teure Telefon bei Manor. Manor-Kommunikationschef Markus Laub rechtfertigt sich. Das Angebot sei von Swisscom vorgegeben. «Wir haben nie ein Angebot gemacht ohne Sim-Lock.» Manor bedaure es selbstverständlich, dass es Kunden gibt, die das Angebot anders empfunden haben. «Wo wir davon Kenntnis bekamen, haben wir uns mit diesen Kunden in Verbindung gesetzt, haben uns entschuldigt und allen angeboten, dass sie das Gerät zurückbringen können und wir den vollen Kaufpreis zurückerstatten», sagt Laub.

«Überhaupt nicht unfair»

Zum stolzen Preis von 1200 Franken hat auch Klaas Jacob ein iPhone ohne Vertrag gekauft. Er war sich sicher: Das ist ein iPhone ohne SIM-Lock, es würde auch mit Sunrise funktionieren – ein Irrtum. Das Gerät zurückzugeben, ist für ihn keine Option. Jacob fordert von der Swisscom, dass der SIM-Lock aufgehoben wird.

Der SIM-Lock ist eine massive Einschränkung für Kunden. Manor verkauft die iPhones als Vertragspartner von Swisscom. Swisscom-Sprecher Carsten Roetz verteidigt die
kundenfeindliche Sperre: «Für uns ist der SIM-Lock überhaupt nicht unfair. Wir haben im Vorfeld der Lancierung des iPhones sehr viele Vorbereitungen treffen müssen und eine Partnerschaft mit Apple abgeschlossen. Für uns ist deswegen klar, dass wir das iPhone nur an unsere Kunden verkaufen und nicht den Kunden anderer Anbieter zur Verfügung stellen.»

Wettbewerb beschränkt

Die Masche mit dem iPhone: Apple schliesst mit Telefonanbietern Exklusiv-Verträge ab. Diese sichern mit dem SIM-Lock ihren Umsatz. Roger Zäch, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich und langjähriger Vize-Präsident der Wettbewerbskommission, erklärt, dass solche Vertriebssysteme zu einer Beschränkung des Wettbewerbs führen: «Weil andere Händler, die das gleiche Produkt auch vertreiben wollen, ausgeschlossen sind. Sie bekommen das Produkt gar nicht. Ob solche Beschränkungen allerdings unzulässig sind, ist auf Grund weiterer Umstände im Einzelfall abzuklären.»

Swisscom-Sprecher Roetz widerspricht. Der Wettbewerb sei nicht ausgeschaltet, das iPhone könne sowohl bei Swisscom als auch bei Orange gekauft werden. Auch ein Bezug im Ausland sei möglich. Auch würden viele Kunden darauf warten, das Gerät hacken zu können. «Natürlich begrüssen wir das nicht, aber die Möglichkeit wird irgendwann bestehen. Von dem her gibt es einen Wettbewerb unter verschiedenen Anbietern. Sie sind nicht an die Swisscom gebunden», sagt Roetz.

Verlust der Garantie

Ein fragwürdige Lösung: Wer das Gerät hackt, verliert die Garantie und die Möglichkeit von Software-Updates. So bleiben die Kunden in der SIM-Lock-Falle gefangen. Sie können mit ihrem teuren Telefon den Anbieter nicht frei wählen. Für Apple stellt das umstrittene Vertriebssystem kein Problem dar. Die Schweiz sei eines der wenigen Länder, die zwei Provider als Anbieter habe. Allerdings: In Frankreich muss Orange wegen eines entsprechenden Gesetzes ungesperrte iPhones anbieten.