Kaffee-Krise 1977: «Wir trinken jetzt Wein statt Kaffee»

«Reduzieren Sie den Kaffeekonsum auf ein striktes Minimum!» So reagierten Konsumentinnen-Organisationen 1977 auf die Kaffeekrise. Auf dem Weltmarkt fehlten zehn Millionen Sack Kaffee, der Preis explodierte. «Espresso Retro» blickt zurück auf die Zeit, in der Kaffee heiss diskutiert wurde.

Mitte der 1970er-Jahre gab der Kaffee zu reden – in den Cafés und Tearooms, aber auch in der ersten Konsumentensendung des Schweizer Radios.

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«Espresso retro»

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«Innerhalb eines einzigen Jahres haben sich die Weltmarktpreise von Rohkaffee glatt verdoppelt», berichtete «Index 5 vor 12» im Januar 1977. Das damals noch junge Konsumentenmagazin kannte auch die Gründe für den rasante Preisanstieg: Naturkatastrophen und Kriege in wichtigen Produzentenländern.

Frost in Brasilien, Überschwemmungen in Kolumbien, Bürgerkrieg in Äthiopien und Angola. Diese und weitere Krisen führten dazu, dass auf dem Weltmarkt zehn Millionen Sack Kaffee fehlten. Um diesem Problem und dem Preisanstieg entgegenzutreten, lancierten Schweizer Konsumentinnen-Organisationen einen Aufruf: Man solle den Kaffeekonsum auf ein «striktes Minimum» reduzieren. Aber waren die Konsumentinnen tatsächlich bereit dazu? «Index 5 vor 12» fragte nach.

Kaffee? Daheim schwächer, auswärts gar nicht mehr!

Mehrere befragte Passantinnen wollten nichts von einem Verzicht wissen. Ein Beispiel: «Wenn mein Mann ein Käfeli will, will er ein Käfeli!» Andere haben ihren Konsum tatsächlich angepasst. Eine Frau gab an, «prinzipiell nicht mehr auswärts» Kaffee zu trinken und zu Hause nur noch schwächeren Kaffee zu machen. Andere wichen auf Ersatzgetränke aus: «Wir trinken neuerdings eher Tee – oder Wein.»

Angesichts der steigenden Kaffeepreise wurden auch Hamsterkäufe ein Thema. «Index 5 vor 12» warnte jedoch ausdrücklich davor: «Wer meint, er müsse jetzt noch zu möglichst günstigen Preisen möglichst grosse Vorräte an Kaffee einkaufen, der liegt falsch!» Kaffee zu hamstern und zu lagern sei sinnlos, weil gerösteter Kaffee sein Aroma rasch verliere. In der gleichen Sendung vom Januar 1977 platzierte «Index» gleich noch eine zweite Warnung: Jene vor steigenden Preisen in den Cafés.

Kaffee Creme wird teurer – und kostet neu 1.50 Franken

Der Preisüberwacher, der spätere Bundesrat Leon Schlumpf, hatte nämlich entschieden, dass Wirte den Preis für einen Kaffee Creme per 1. Februar 1977 um 10 Rappen erhöhen dürfen – auf maximal 1.50 Franken. Das sei ein Richt- und Höchstpreis, erklärte Preisüberwacher Schlumpf gegenüber «Index 5 vor 12». Betriebsinhaber, die höhere Preise verlangen wollten, müssten «besondere Kostenfaktoren nachweisen» können.

Dieser sogenannte Sonderkostenzuschlag von 10 Rappen wurde bereits elf Monate später wieder abgeschafft: Auf Anfang 1978 mussten die Wirte den Kaffee Crème wieder günstiger verkaufen. Der Preis für Rohkaffee hatte sich nämlich wieder erholt. Wobei «Index» spitz bemerkte, dass der Preis für den Rohstoff Kaffee nicht allein entscheidend sein könne: «Böse Zungen behaupten, der Kaffee Crème sei mittlerweile so wässerig, dass man als Grundlage für den Preis besser den Wasserzins nehmen sollte.»