Sparen kann jeder - massiv

Der Elektroingenieur Jürg Nipkow macht es vor: Er hat seinen Stromverbauch auf 500 Kilowattstunden pro Jahr gesenkt. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in der Schweiz beträgt das Dreifache.

Wegen der Katastrophe im AKW von Fukushima möchten viele Konsumenten künftig auf Atomstrom verzichten. Damit die Schweiz aber ohne Atomstrom auskommt, müssen die Wirtschaft und die Haushalte künftig weniger Strom verbrauchen.

Erstaunlich tiefer Stromverbrauch

Jürg Nipkow, Geschäftsleitungsmitglied der Agentur für Energieeffizienz (Safe), macht es in seinem eigenen Haushalt vor.  «Ich denke, jeder Haushalt kann rund die Hälfte des Stromverbrauches einsparen. Man muss auf die richtigen Details achten und die richtigen Einkäufe tätigen.»

Seine Stromrechnung für das Jahr 2010 weist einen Stromverbrauch von 1017 Kilowattstunden (kWh)aus. Für den Zweipersonenhaushalt der Nipkows bedeutet dies einen Pro-Kopf-Verbrauch von 500 kWh. Das ist erstaunlich wenig. Denn der Schweizer Durchschnittswert liegt bei 1800 kWh pro Jahr und Kopf – der Elektroingenieur verbraucht also nur einen Drittel davon.

Strom sparen bei Beleuchtung

Viel Strom spart der Energiefachmann mit der Beleuchtung: Im ganzen Haushalt hat er Energiesparlampen eingesetzt. Und dank einem Bewegungsmelder im Gang leuchtet das Licht hier nur, wenn man es auch wirklich braucht. «Bei der Beleuchtung ist das Sparpotential enorm. Die modernen Leuchtmittel sparen 80 Prozent gegenüber den alten Glühlampen ein.»

Und wenn man sie nicht überall brennen lasse, dann könne man nochmals ein gutes Stück sparen. In der Küche setzt Nipkow nur neuere Geräte ein. So verbraucht ein Kühlschrank der neuesten Generation nur gerade einen Drittel der Energie eines älteren Gerätes. Eines der effizientesten Küchengeräte ist zudem der Wasserkocher: Gegenüber Herd und Pfanne kocht er das Wasser mit nur halb so viel Strom auf.

Tumbler als Stromfresser

Noch mehr Energie lässt sich beim Wäschetrocknen sparen: Nipkow etwa verzichtet auf die Nutzung des Tumblers und lässt die Wäsche an der Leine baumeln. «Der Tumbler braucht drei Mal so viel Energie wie das Waschen bei 60 Grad.»

All jenen, die auf einen Tumbler angewiesen sind, rät der Experte zu einem sogenannten Wärmepumpen-Tumbler. Diese Geräte brauchen nur halb so viel Energie. Strom sparen kann Nipkow auch mit seiner Waschmaschine, seit er sie mit einem Warmwasseranschluss speist. So muss die Maschine das Wasser nicht aufheizen.

Standby-Killer

Sehr effizient sind auch sogenannte Standby-Killer: Experte Nipkow zeigt sie uns am Beispiel seines Computers: Betätigt er die Powertaste an seinem Rechner, schaltet er nicht nur den Computer aus, sondern nimmt damit gleichzeitig den Internet-Router und den Drucker vom Netz.

Möglich macht das eine spezielle Stromschiene, die sogenannte Masterslave-Steckerleiste. «Sie nimmt alle angeschlossenen peripheren Geräte automatisch vom Netz, wenn der Server abgeschaltet wird», erklärt Jürg Nipkow, und betont die grosse Wirkung dieser Einrichtung. «Vor allem ältere Drucker und Router brauchen sehr viel Strom, zum Teil sogar wenn sie ausgeschaltet sind. Das kann über das Jahr mehr Energie verbrauchen als die eigentliche Arbeit am Heim-Computer.» Zusammenfassend also gilt: Viele kleine Massnahmen sorgen beim Stromsparen für grosse Wirkung.