Viagra-«Studie»: Zahlen sollen die Krankenkassen

Der Pharmakonzern Pfizer geht bis an die Grenze der Legalität, um sein Produkt Viagra zu vermarkten. Die Firma schaltet fragwürdige Werbekampagnen und bezahlt Ärzten viel Geld, damit sie Patienten Viagra verschreiben. Zulasten der Krankenkassen und der Prämienzahler.

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Viagra-''Studie'': Zahlen sollen die Krankenkassen

13 min, aus Kassensturz vom 2.10.2001

«Patienten gesucht» heisst es in einem Inserat, das seit 4 Monaten regelmässig in Schweizer Zeitungen erscheint. Männer mit Erektionsproblemen werden für eine «wissenschaftliche Erhebung» gesucht. Hinter dem Inserat steckt Viagra-Produzent Pfizer.

Wer sich für die Studie anmeldet, muss zuerst einen Termin bei einem Urologen wahrnehmen. Diese Untersuchungen müssen die Krankenkassen aus der Grundversicherung zahlen. Marc-André Giger von Santésuisse, dem Dachverband der Krankenversicherer, hat dafür kein Verständnis: «Das ist der absolute Hammer, dass man versucht, ein neues Medikament auf dem Buckel der sozialen Krankenversicherung zu untersuchen.»

Doch damit nicht genug. Den betroffenen Männern empfiehlt der Arzt, Viagra auszuprobieren. Zudem bittet er, in drei Monaten wieder vorbei zukommen und den Fragebogen noch einmal auszufüllen. Daran liegt ihm viel, denn vor allem bei der zweiten Konsultation kassiert er tüchtig: Gemäss Hermann Stricker von der Firma Pfizer erhält ein Urologe 100 Franken für die Befragung 300 Franken beim Zweitbesuch als Umtriebsentschädigung. Zusätzlich kassieren die Urologen das ganz normale Krankenkassenhonorar.

Ein dicker Hund. Der Viagra-Hersteller wälzt die hohen Kosten für seine Studie auf die Krankenkassen ab. Die zwei Untersuchungen kosten zusammen rund 700 Franken. Bis jetzt haben sich 800 Patienten für die Studie angemeldet. Schätzungsweise eine halbe Million Franken müssen die Krankenversicherer also dafür berappen. Fritz Britt, Vizedirektor vom Bundesamt für Sozialversicherung findet dafür deutliche Worte: «Ich finde es ziemlich schamlos, dass man die Allgemeinheit zahlen lässt für Marketingmassnahmen. Ich bin der Meinung, dass Pfizer diese Aktion schnell stoppen sollte.»