Sika will nicht für undichte Dachfolien haften

Sika verkaufte jahrelang mangelhafte Dachfolien. Die Folge: Viele Dächer in der Schweiz sind nicht dicht, es tropft in die Wohnungen. Doch die Firma will für die gravierenden Schäden nicht aufkommen. «Kassensturz» zeigt Bauherren, die verzweifelt um ihr Recht kämpfen.

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Undichte Dachfolien: Sika lässt Kunden im Regen stehen

11 min, aus Kassensturz vom 15.12.2015

«Es ist einfach himmeltraurig, dass man nichts machen kann und dass man keine Hilfe erhält», sagt Barbara Carlen aus Naters.

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Bildlegende: Schadhaftes Dach SRF

Das Hausdach von Familie Carlen ist nicht mehr dicht. Betroffen ist das ganze obere Stockwerk. «Jedes Mal wenn es regnet oder Schnee gibt, wissen wir nicht, ob wir wieder Frotteetücher auslegen müssen», sagt die besorgte Mutter von vier Kindern.

Carlens bauten vor acht Jahren ein Einfamilienhaus. Bereits nach kurzer Zeit tropfte es im Kinderzimmer. Der Grund: Die eingebaute Dachfolie der Firma Sika, «Sarnafil TU 222», auf dem Unterdach ist nicht mehr dicht. Die Folie muss ausgewechselt werden. Kosten: 50‘000 Franken.

Kein Einzelfall

Das Problem mit den Dachfolien komme nicht von ungefähr, sagt der Experte für Gebäudehüllen Arthur Müggler. Dachfolien habe man bis an die Grenze ihrer Möglichkeiten entwickelt.

Man spreche da von Hightech-dünnen Folien, ähnlich einer Gore-Tex-Membran: «Diese muss diffusionsoffen sein und gleichzeitig das Eindringen von Wasser verhindern und dies alles auf eine Lebensdauer von 30 Jahren.» Das sei ein extremer Spagat, sagt der Experte für Gebäudehüllen.

Das geht nicht immer gut. Deutlich zeigt dies das Beispiel der Sika-Dachfolie. «Die Sarnafil TU 222 kann unter bestimmten Umständen problematisch sein. Sie kann sich delaminieren», sagt Arthur Müggler. Vor allem in Berggebieten kann die Dachfolie versagen. Hier herrschen extreme Wetterbedingungen. Die Folgen: Dutzende Dächer in Schweizer Bergregionen sind nicht mehr dicht. Der Schaden wird oftmals erst nach Ablauf der Garantie entdeckt.

Ist die Verjährungsfrist von fünf Jahren abgelaufen, können Hausbesitzer den Schaden beim Dachdecker nicht mehr geltend machen. Auch Sika kann sich weitgehend aus der Verantwortung ziehen, wie Baurechtsexperte Hubert Stöckli von der Universität Fribourg aufzeigt.

Sika verkürzt Verjährungsfrist

Das Gesetz lasse zu, dass Unternehmen in den Allgemeinen Geschäfts-Bedingungen ihre Haftung extrem reduzieren können. «Von dieser Möglichkeit macht auch Sika Gebrauch», sagt Baurechtsexperte Hubert Stöckli.

Sika verkürze zum Beispiel die Verjährungsfrist oder hafte nur für Ersatzmaterial, nicht aber für die Kosten, welche entstehen, wenn man die Folie aus- und wieder einbauen müsse.

Dachfolie seit zehn Jahren erfolgreich

Baustoffhersteller Sika schreibt «Kassensturz», man vertreibe weltweit Produkte für die Abdichtung von Dächern. Diese würden einen ausgezeichneten Ruf geniessen.

Die besagte Dachfolie werde seit über zehn Jahren erfolgreich vertrieben, schreibt Sika. Umso mehr bedauere Sika die Fälle, in denen das Produkt nicht den Erwartungen der Kunden entsprach. Diese Fälle stünden in keinem Verhältnis zu der Anzahl Dächer ohne Lecks.