Ticket-Versicherung oft unnütz auch bei personalisierten Tickets

Tickets für das Gurtenfestival werden dieses Jahr mit dem Namen des Käufers versehen. Die Veranstalter wollen so den Graumarkt unterbinden. Der Nachteil: Eine Weiter- oder Rückgabe ist auch bei Verhinderung nicht möglich. Ausser mit einer Ticket-Versicherung - dies aber nur in bestimmten Fällen.

Letzte Woche ging die zweite Welle von Gurtenfestival-Tickets in den Verkauf. Dabei kam es zu einer Panne. Wer ein Ticket wollte, gelangte unter Umständen in ein fremdes Benutzerkonto. Das Durcheinander war gross - der Vorverkauf wurde unterbrochen. Wie Gurtenfestival-Sprecher Simon Haldemann gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» erklärte, konnten durch die Personalisierung die Tickets jedoch relativ schnell wieder zugeordnet werden.

Keine Rückgabe ausser mit Ticketversicherung

Zur Personalisierung der Tickets hat man sich entschlossen, um den Graumarkt einzudämmen. Händlern, die bei schnell ausverkauften Veranstaltungen die Tickets zu stark überhöhten Preisen weiterverkaufen, soll das Handwerk gelegt werden. Dies hat allerdings Konsequenzen für reguläre Käufer eines Tickets. Sind sie verhindert, können auch sie die Tickets nicht weitergeben oder zurückgeben.

Personalisierte Tickets?

  • Personalisierte Tickets?

    Sind Sie dafür, dass neu der Name auf Konzert-Tickets steht?

  • Danke für Ihr Teilnahme.

  • Ja. Das verhindert den preistreibenden Schwarzmarkt.

    37%
  • Nein. Ich möchte im Verhinderungsfall das Ticket weitergeben können und keine Ticketversicherung zahlen müssen.

    62%
  • 175 Stimmen wurden abgegeben

Mit einer Ausnahme: Wer bei der Buchung eine Ticketversicherung für drei Franken abschliesst, kann sein Ticket unter Umständen zurückgeben. Die Veranstalter des Gurtenfestivals weisen denn auch explizit auf diese Möglichkeit hin. Sprecher Simon Haldemann: «Dann ist man ganz sicher auf der sicheren Seite.»

Kritik an vielen Ausschlüssen der Versicherung

Auf der sicheren Seite ist man jedoch nur in bestimmten, klar definierten Fällen. Dies sind zum Beispiel schwere Erkrankungen, die nach der Buchung auftreten, der Tod eines Nahestehenden oder eine Zug- oder Autopanne, die den Besuch der Veranstaltung verunmöglicht. Doch auch bei solchen Pannen gibt es Ausnahmen, Schlüssel- oder Benzinpannen sind zum Beispiel ausgeschlossen.

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz ist eine starke Befürworterin der personalisierten Tickets. Sie ist jedoch auch eine Kritikerin der Ticketversicherung mit den vielen Bedingungen und Ausschlüssen: «Ticketversicherungen sind wie Emmentaler Käse, sie haben viele Löcher.» Viele, die eine Ticketversicherung abschliessen, seien sich nicht bewusst, dass die Versicherung nur in bestimmten Fällen zum Zug komme.

Kulanz beim ersten Mal?

Das Gurtenfestival betont, man wolle sich kulant zeigen. Dies weil zum ersten Mal personalisierte Tickets verkauft werden. Wie die Kulanz genau aussehe, könne man aber noch nicht sagen. Sprecher Simon Haldemann erklärt, man wolle einerseits die Besucher nicht verärgern, aber andererseits auch dafür besorgt sein, dass Tickets nicht einfach wegen schlechten Wetters zurückgegeben werden.

Ticketversicherungen sind bei Buchung automatisch ausgewählt

Die Ticketversicherung für das Gurtenfestival wird über Starticket verkauft, Versicherer ist die Elvia-Versicherung. Konkurrent Ticketcorner bietet den «Ticketschutz» an, Versicherer ist hier die Europäische Reiseversicherungs AG. Beide Ticketversicherungen kosten gleich viel und beinhalten praktisch die gleichen Leistungen und Einschränkungen.

Ebenfalls identisch bei Starticket und Ticketcorner: Die Versicherungen sind bei der Online-Buchung bereits ausgewählt. Man muss das Häkchen aktiv entfernen, wenn man die Versicherung nicht will. Aus Sicht der Stiftung für Konsumentenschutz ist dies nicht erlaubt, auch wenn ein explizites Verbot der Praxis nur für die Buchung von Flugreisen gilt. Die Ticketverkäufer begründen die Vorauswahl mit einem Kundenbedürfnis.