Werden heutzutage noch Fangprämien für Maikäfer bezahlt?

Die kalten Tage haben sie nochmals abgeschreckt, aber bald fliegen sie wieder zu Tausenden: Maikäfer. Früher sammelte man die Schädlinge landesweit ein und verbrühte sie. Wie ist das heute? Gibt es immer noch Geld für gesammelte Käfer? «Espresso Aha!» weiss es.

Nahaufnahme Maikäfer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der pelzige Brummer gilt als klassischer Frühlingsbote. Keystone

Bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Schulkinder auf die Wiesen geschickt. Es wurden Tücher um Bäume gespannt, geschüttelt und fleissig Käfer gesammelt. Dafür gab es ein kleines Entgelt pro Liter Maikäfer. Anschliessend wurden sie mit heissem Wasser verbrüht und in grossen Löchern versenkt. Einige Zeit lang wurden die toten Maikäfer an Schweine und Hühner verfüttert. Doch damit hörte man wieder auf, als man bemerkte, dass sich dadurch der Geschmack der Eier veränderte.

Engerlinge sind das Hauptproblem

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«Espresso Aha!»

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Heute bekämpft man die Tiere unter dem Boden. Denn die Engerlinge machen den Bauern viel mehr zu schaffen als die erwachsenen Maikäfer. Drei Jahre lang sind sie unter der Erde und zerfressen in dieser Zeit die Wurzeln junger Pflanzen wie Obstbäume oder Reben.

Seit den 1980er-Jahren haben Forscher wie der Entomologe Christian Schweizer von der Forschungsanstalt Agroscope einen natürlichen Pilz weiterentwickelt, als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel gegen die Engerlinge: «Wir haben diesen natürlichen Pilz millionenfach reproduziert und bringen ihn – in geschälte Gerstenkörner geimpft – in die von Engerlingen befallenen Felder. Mit grossem Erfolg.»

Es werden weniger

Doch nicht nur das Gegenmittel der Forscher dezimiert den Maikäferbestand. Dort, wo intensiver Ackerbau betrieben wird, verschwinden die Maikäfer genauso wie in Agglomerationen, wo stark gebaut wird. Das Berner Seeland und das Baselbiet litten früher besonders unter den Schäden der Maikäfer und ihren Larven. Heute kommen sie dort kaum mehr vor. Dieser Käfer sei eben auch ein Indikator für ein naturbelassenes Gebiet, sagt Insektenkenner Christian Schweizer: «Maikäfer finden wir vor allem dort, wo es naturbelassene Wiesen und Wälder gibt.

Vorbei ist es auch mit der genauen geografischen Angabe, wo in welchem Jahr Maikäfer fliegen. Früher gab es das Berner,- das Basler,- das Urner Flugjahr. Doch die Käfer halten sich schon längst nicht mehr an ihre Zuordnung. So ist 2017 offiziell ein Berner Flugjahr, die Käfer fliegen aber heuer besonders im Thurgau und Graubünden.

Maikäfer ausrotten?

«Sicher nicht», sagt Christian Schweizer, auch wenn es sein Beruf ist, ihre Ausbreitung zu verhindern: «Maikäfer sind faszinierende Tiere und das Ziel ist eine Ko-Existenz mit der Landwirtschaft. Sie sind ausserdem auch beim Volk beliebt und gelten als Boten des Frühlings.»

Maikäfersuppe – en Guete!

Ab Mai 2017 gelten die Grille, die Heuschrecke und der Mehlwurm offiziell als Lebensmittel in der Schweiz. Obwohl stark proteinhaltig und einheimisch, fehlt der Maikäfer auf dieser Liste.
Dabei soll die Maikäfersuppe bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine der wenigen in Europa verbreiteten Insektengerichte gewesen sein. Auf alten Rezepten ist zu lesen, dass man etwa 30 Stück für eine Mahlzeit benötige. Flügel und Beine seien auszulösen, dann wasche man die Tiere und zermörserte sie. Oder aber, röste sie in Butter an. Hühnerbouillon dazu, aufkochen, dann die ganze Brühe durch ein Sieb oder Tuch stossen. Mehl anschwitzen und dazugeben und vor dem Anrichten mit Eigelb binden.
In einem Eintrag auf Wikipedia wird auf einen Aufsatz von 1844 verwiesen. Darin heisst es, dass Maikäfer von Studenten auch ungekocht gegessen wurden. In vielen Konditoreien seien sie gar überzuckert angeboten worden und man esse sie auch «kandiert an Tafeln und zum Nachtische».

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