Burnout-Kids

  • Montag, 20. April 2015, 9:02 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Montag, 20. April 2015, 9:02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
  • Wiederholung:
    • Montag, 20. April 2015, 18:03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

Die Erschöpfungsdepression ist bei Kindern und Jugendlichen angekommen. Womit hat das zu tun? Was ist zu tun? Antworten eines Experten, der lange an diesem Umstand zweifelte.

Die Erschöpfungsdepression ist bei den Kindern und Jugendlichen angekommen. Das diagnostiziert Michael Schulte-Markwort wider Willen. Aber als Chefarzt der Altonaer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie kann er trotz langem fachlichen Zweifeln nicht mehr darüber hinwegsehen, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die unter der Alltagsanstrengung gut, besser und bestens zu sein, zusammenbrechen.

Es sind besonders die jungen Mädchen, die gefährdet sind. «Burnout-Kids Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert» heisst Schulte-Markworts Sachbuch, das Einblick gibt in ein Phänomen, das nicht mit dem Label «Modediagnose» abgetan werden kann.

Cornelia Kazis hat Kinder- und Jugendpsychiater in Hamburg besucht und hat einen suchenden Experten erlebt, der auf vorschnelle Schuldzuschreibungen an Eltern und Schulen verzichtet. Trotzdem aber hat er Ideen zur Prävention und sieht Möglichkeiten der Hilfe, die innert nützlicher Frist aus der Anstrengungsstarre und dem Erschöpfungszustand führen können.

Buchhinweis:
Michael Schulte-Markwort, «Burnout-Kids Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert». Verlag Pattloch

Beiträge

  • Ausgerechnet Mädchen!

    Es sind vor allem die Mädchen die erkranken. Sie verinnerlichen das Prinzip Wachstum um fast jeden Preis. Ihre Grossmütter waren meist noch familiär gebunden im Haus und ums Haus arbeitsam. Ihre Mütter sind gut ausgebildet und beruflich und familiär sehr engagiert.

    Die Mädchen sind nun an der Reihe «diesen Aufstieg» fortzusetzen. Gleich gut wie Mama reicht nicht! Anna berichtet darüber und stürzt damit ihre Eltern in eine Sorgenwelt. Sie hätten lieber, ihr Kind könnte auch mal die 5 grad sein lassen.

    Cornelia Kazis

  • Ökonomisierung und Geschichte

    Michael Schulte-Markwort ist der Überzeugung: Um unsere Burnout-Kids besser zu verstehen, hilft der erweiterte Blick in die Familiengeschichte, auch wenn die Bearbeitung im Hier und Jetzt erfolgen muss.

    Der Professor für Kinder und Jugendpsychiatrie nimmt in seiner Analyse Abstand von schnellen Schuldzuweisungen. Weder ehrgeizige Eltern, noch ein stessiger Schulalltag, noch die allgegenwärtige Digitalisierung erklären Burnout bei Kindern und Jugendlichen vollends. In Betracht zu ziehen ist auch die durchdringliche Ökonomisierung der Gesellschaft.

    Cornelia Kazis

  • Der Therapiemix

    Das Burnout oder die Erschöpfungsdepression von Kindern und Jugendlichen ist ein komplexes Phänomen. Mit einer simplen Therapie ist dem Problem nicht beizukommen. Es braucht ein Zusammenspiel von medikamentöser Unterstützung, Verhaltenstherapie, Psychotherapie und nicht selten auch Lernberatung.

    Die gute Nachricht: Anna geht es nach zwei Monaten schon wieder deutlich besser und ihre Eltern schöpfen nicht nur neue Hoffnung, sondern haben auch einen neuen Blick auf sich selbst.

    Cornelia Kazis

Moderation: Bernard Senn, Redaktion: Cornelia Kazis